Die Kirche der Zukunft wird in Kooperationen existieren

Die Kirche der Zukunft wird in Kooperationen existieren. Das ist für Dr. Christoph Urban ein Schlüsselsatz, den der Pfarrer in seiner Bewerbungsrede auf der Tagung der Synode des Evangelischen Kirchenkreises Duisburg aussprach, wo er zum Nachfolger von Superintendent Armin Schneider gewählt wurde. Beim Medientermin der beiden hob Dr. Urban die Bedeutung der Zusammenarbeit vieler erneut hervor.

Die Kirche der Zukunft „macht gemeinsame Sache mit anderen Konfessionen, Religionen, der Stadt, Zivilgesellschaft, Diakonie und Caritas.“ Gerade das sei ihre Chance, so Dr. Urban, „weiterhin Kirche vor Ort zu sein und eine gute Alternative zu immer größer werdenden Einheiten. Dazu braucht es starke und gut ausfinanzierte Kirchengemeinden, deren Identität im Sozialraum liegt. Mit selbstbewussten Presbyterinnen und Presbytern, die ins Gemeinwesen vernetzen, weil sie dort selbst engagiert sind. Es braucht die Partizipation, die Mitwirkung vieler, um Kirche gemeinsam mit und für Andere zu gestalten.“

Dr. Urban hatte wie auch Pfarrer Rainer Kaspers, der ebenfalls für die Wahl zum Amt des Superintendenten kandidierte, die Aufgabe erhalten, der Duisburger Synode ihre Vorstellungen zum Thema „Wie können wir heute und in Zukunft erkennbar in Duisburg Ev. Kirche vor Ort sein?“ zu skizzieren. Die Abgeordneten des Kirchenparlamentes –  Pfarrerinnen und Pfarrer, gewählte Presbyterinnen und Presbyter der 15 Kirchengemeinden sowie berufene Mitglieder – wählten Dr. Urban im ersten Wahlgang mit 58 Stimmen von 90 abgegebenen Stimmen. Erstmals in Duisburg wurde die Stelle des Superintendenten im Hauptamt, also ohne die Anbindung an eine Gemeinde- oder Funktionspfarrstelle, besetzt. Das hatte die Duisburger Kreissynode im Blick auf die anstehende Neuwahl so beschlossen, weil die Aufgaben des Superintendentenamtes nach Einschätzung der großen Mehrheit in den letzten Jahren immer vielfältiger und komplexer geworden sind. Leitungsämter in der evangelischen Kirche sind immer Ämter auf Zeit. Die Amtsperiode dauert acht Jahre. Danach muss neu gewählt werden.

Dr. Urban ist Pfarrer der Gemeinde Konz im Kirchenkreis Trier. Das neue Amt als Duisburger Superintendent tritt er im Dezember an. Er ist jetzt neugierig auf Gemeinden und Presbyterien, auf die Kolleginnen und Kollegen, den Kreissynodalvorstand, die Verwaltung und Mitarbeitende des Kirchenkreises, „mit denen allen ich mir eine gute und geschwisterliche Zusammenarbeit wünsche.“ In den Gesprächen werden seine in der Bewerbungsrede skizzierten Ideen zur Zukunft der Kirche eine Rolle spielen. Dazu gehört die Fortsetzung des Vorhabens, Kooperationen mit Nachbarkirchenkreisen auszuloten und einen Prozess der Aufgabenkritik einzuleiten, sowie die das Ziel, dass der Duisburger Kirchenkreis ein politischer bleiben soll. Dieser bezieht weiterhin Stellung zu wichtigen Themen und Vorgängen, erhebt die Stimme für diejenigen, die keine haben und begleitet den Strukturwandel in der Region sowohl konstruktiv-kritisch als auch tatkräftig. Außerdem: „Die Kreissynode setzt sich eine Themen-Agenda und kümmert sich um die großen Fragen der kommenden Jahre: Migration, Digitalisierung und Klimaschutz.“ Und schließlich: Der Kirchenkreis lotet mit der römisch-katholischen Kirche aus, welche Aufgaben konfessionsübergreifend angegangen werden können und hält an der bleibenden Erwählung Israels fest und trägt zu einem gedeihlichen Miteinander von Christen, Juden und Muslimen in dieser Stadt bei.

Gefragt, was er seinem Nachfolger wünsche, antwortet Superintendent Armin Schneider bei dem Medientermin: „Zuallererst Gottes Segen. Und dann wünsche ich ihm Menschen an seiner Seite, mit denen er gut und auch gerne zusammenarbeiten kann. Und dass er ebenso gerne in diesem Kirchenkreis arbeitet, wie ich es erleben durfte.“ Pfarrer Armin Schneider ist seit 16 Jahren Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Duisburg und geht Ende November in den Ruhestand. Das Superintendenten-Amt habe nicht zu seinem Lebensplan gehört. „Als ich angesprochen worden bin, habe ich lange gezögert“ sagt Schneider. Denn er habe Respekt vor der Aufgabe gehabt. Doch als Teamplayer habe ihm die Arbeit mit den vielen Menschen Spaß gemacht. Pfarrer Armin Schneider war 2004 zum Superintendenten des im gleichen Jahr aus den beiden Kirchenkreisen Duisburg Nord und Süd fusionierten Evangelischen Kirchenkreises Duisburg gewählt worden; 2012 wurde der Krankenhauspfarrer mit großer Mehrheit in seinem Amt für weitere acht Jahre bestätigt. „Nach meinem Eindruck sind die beiden Kirchenkreise zusammengewachsen“ stellt Superintendent Schneider rückblickend fest. „Wir werden in der Öffentlichkeit wahrgenommen als evangelische Kirche vor Ort und wir haben uns immer wieder zu politischen und sozialen Fragen positioniert; das war mir auch persönlich wichtig.“ Neben allem Erreichten ist Superintendent Schneider der Hinweis auf die Vielzahl der Maßnahmen zur Mitgliederorientierung wichtig und zählt dabei die Eintrittsstelle an der Salvatorkirche, die Feier von bisher vier großen Duisburger Kreiskirchentagen und zwei großen Tauffesten sowie Aktionen wie Glückwunschkarten zur Geburt. „Diese Maßnahmen waren wichtig und notwendig; gleichzeitig haben wir aber auch über 20.000 Mitglieder in diesen Jahren verloren. Das zeigt, dass es einen gesamtgesellschaftlichen Trend gibt, gegen den man schwer ankommt. Dennoch bleibe ich davon überzeugt, dass die Kirchen etwas anzubieten haben, was niemand anderes anbieten kann: Dass Menschen im Evangelium Halt und Orientierung finden für ihr Leben. Das weiter zu sagen und auch zu leben – das bleibt unsere Aufgabe. Auch unabhängig von unserer Größe.“

Informationen zu beiden Kandidaten gibt es auf dieser Seite weiter unten: Dort sind die Links zu den  Aufzeichnungen der beiden Gottesdienste aufgeführt (Pfarrer Kaspers und Pfarrer Dr. Urban predigten beide zur gleichen Bibelstelle: 1. Korinther 3, 9-17); ebenso finden sich dort Vorstellungsreden und die schriftlichen Fassungen der Predigten als PDF sowie die Lebensläufe der beiden Kandidaten als PDF.

  • 16.10.2020
  • Rolf Schotsch
  • Rolf Schotsch