Ökumene auf der Orgelbank

An der katholischen Kirchenmusikschule Essen werden nebenamtliche Kirchenmusikerinnen und -musiker künftig auch evangelisch ausgebildet. Was hinter der Ökumene auf der Orgelbank steckt, erläutert Ulrich Cyganek. Er ist Landeskirchenmusikdirektor der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Landeskirchenmusikdirektor Ulrich Cyganek

Im Westen etwas Neues: Die Bischöfliche Kirchenmusikschule in Essen unterrichtet künftig ökumenisch. Warum?

Ulrich Cyganek: Beide Konfessionen wollen vor allem junge Menschen für das Musizieren in ihren jeweiligen Gemeinden begeistern – nicht nur im Ruhrgebiet. Daher lag es nahe, die Ausbildungsressourcen in der Region zu bündeln und die Lerninhalte konfessionsverbindend zu vermitteln. Neben dieser pragmatisch anmutenden Motivation liegt allen Verantwortlichen die Stärkung der ökumenischen Gemeinsamkeiten und deren Vertiefung auf kirchenmusikalischem Gebiet sehr am Herzen.

Wer kann sich an der Kirchenmusikschule des Bistums ausbilden lassen?

Cyganek: Das können musikalisch interessierte Menschen, die gern einen Erwachsenen- oder auch Kinderchor leiten möchten; Menschen, die Freude an der musikalischen Mitgestaltung von Gottesdiensten haben und sich der katholischen oder evangelischen Kirche verbunden fühlen. Ein Mindestalter von in der Regel 16 Jahren und eine elementare musikalische Vorbildung – also Klavierspiel oder sängerische Erfahrungen in einem Chor – sind förderlich. Entsprechend gibt es einen Eignungstest. Selbstverständlich kann man sich in der Ausbildung auch auf nur einen Teilbereich, z. B. Orgelspiel oder Chorleitung, konzentrieren.

Ist diese konfessionsverbindende Ausbildung ein Modell, das auch mit anderen Bistümern angedacht ist?

Cyganek: Wenn dieses bisher bundesweit einmalige Projekt zwischen dem Bistum Essen, der Evangelischen Kirche von Westfalen und der Evangelischen Kirche im Rheinland zur Nachahmung motiviert, dann ginge ein weiterer Wunsch der Kooperationspartner in Erfüllung. Ich finde, es sollte unser gemeinsames Ziel sein, die große gemeinsame Tradition der Kirchenmusik weiterzugeben, sie in ihrer Vielfalt zu stärken und mit zeitgemäßen musikalischen Inhalten zu bereichern.

Details zu der in Essen künftig ökumenisch aufgestellten Ausbildung für C-Kirchenmusikerinnen und -musiker gibt es hier zum Nachlesen .

 

  • 2.9.2020
  • Jens Peter Iven
  • Red