Philipp Melanchthon

Philipp Melanchthon (1497 bis 1560) gilt neben Martin Luther als großer Reformator in Deutschland. Zugleich nahm er eine eigenständige Rolle ein. Die Verdienste des Humanisten bei der Entwicklung eines protestantischen Bildungswesens prägen bis heute das Bild von ihm in Kirche und Gesellschaft.

Als Philipp Schwarzerdt, Sohn eines kurfürstlichen Rüstmeisters und Waffenschmieds und der Tochter eines Tuch- und Weinhändlers, kam der spätere Gelehrte am 16. Februar 1497 in Bretten in der Pfalz zur Welt. Wie damals in gebildeten Kreisen häufiger üblich wurde der Name ins Griechische übertragen. Bereits mit elf Jahren verlor Philipp Melanchton den Vater. Er besuchte die Lateinschule in Pforzheim, studierte an der Universität in Heidelberg und schon mit 14 Jahren war er Bachelor und erwarb damit den untersten akademischen Grad. In Tübingen schloss er 1514 sein Studium mit dem Magistertitel ab.

Ideale des Humanismus

Zu seinen Kenntnissen in den antiken Sprachen, Rhetorik, Grammatik und Logik gesellten sich die klassischen Fächer Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie. Erste Lehrtätigkeit, Schulbücher und literarische Werke folgten. So erschienen zwischen 1516 und 1519 aus seiner Feder eine Grammatik der griechischen Sprache, ein Buch der Rhetorik, aber auch eine Übersetzung der Komödien des antiken Dichters Terenz. All dies lässt erkennen, dass er sich den wissenschaftlichen Idealen des Humanismus verschrieben hatte.

Im August 1518 übernahm Melanchthon eine Professur für Griechisch und Hebräisch in Wittenberg. Sein bibelnaher Humanismus fand Zustimmung bei Martin Luther und es begann eine große Freundschaft. Sie ging sogar so weit, dass Luther für Melanchthon eine Frau suchte. Melanchthon heiratete 1520 Katharina Münzer, mit der er vier Kinder hatte. 1521 erschien das Werk, an dem Pfälzer sein Leben lang weiterarbeiten sollte, die „Loci communes rerum theologicarum“.

Wirken im Rheinland

Als Vertreter der evangelischen Stände auf Reichstagen und in Religionsgesprächen sowie als Verfasser der ersten lutherischen Bekenntnisschriften wollte Melanchthon zunächst die Glaubenseinheit der Christenheit und damit die politische Einheit des Reiches bewahren. Aber auch die Missstände in der römischen Kirche wollte er beseitigen und die innerprotestantische Einheit vorantreiben.

Im Rheinland ist der Name Melanchthon mit dem Entwurf einer Reformationsordnung in Bonn verbunden. Gemeinsam mit dem Theologen Martin Bucer erarbeitete er sie 1542/1543. Allerdings blieben die Reformvorstöße des Kölner Erzbischofs Hermann von Wied ohne Erfolg.

Zudem führte er eine umfangreiche Korrespondenz mit führenden Vertretern des Humanismus in rheinischen Gebieten. Dazu gehörten zum Beispiel Hermann Graf von Neuenahr, Theologe, Naturwissenschaftler und erzbischöflicher Kanzler der Universität Köln, sowie Petrus Medmann, Theologe und „Geheimer Rat“ des Kölner Erzbischofs.

Der Lehrer Deutschlands

Melanchthon war nie ordinierter Theologe. Einen Anteil daran haben vielleicht auch seine in allen Zeiten schwache körperliche Verfassung und ein Sprachfehler. Vielfach dachte man ihm den Ehrentitel „Praeceptor Germaniae“ zu, der Lehrer Deutschlands. Mit Studienreformen befasste er sich bereits in seinen ersten Tagen an der Universität Wittenberg. Der Gelehrte hat die Kulturaufgaben des Staates bejaht und gefördert, hat die Idee der Visitation weiterentwickelt und ist der Schöpfer der protestantischen Gelehrtenschule. Am 19. April 1560 starb Philipp Melanchthon nach einer fiebrigen Erkältung im Kreis seiner Familie in Wittenberg.

Philipp Melanchthon

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