Gustav Heinemann

Heinemann wurde 1899 in Schwelm in Westfalen geboren. Sein Vater war Prokurist bei der Krupp AG in Essen. Sohn Gustav studierte Jura, Volkswirtschaft und Geschichte und arbeitete ab 1929 als Justitiar bei den Rheinischen Stahlwerken in Essen.

Seine Herkunftsfamilie gehörte keiner Kirche an. Dass er zu einem überzeugten Protestanten wurde, verdankt er seiner Frau Hilda, die Theologie studiert hatte. Sie weckte sein Interesse für Religion und brachte ihn in die Kirchengemeinde Essen-Altstadt. Beeindruckt von deren Pfarrer Friedrich Graeber engagierten sich das Ehepaar aktiv in der Gemeinde. Gustav wurde 1933 ins Presbyterium gewählt und in die Kreissynode Essen entsandt. Hier kam es zum Streit mit den nazitreuen Deutschen Christen. Für Heinemann waren dies Rechtsbrecher und er schlug sich auf die Seite der Bekennenden Kirche.

Im Februar 1934 vertrat Heinemann die „Freien Presbyterianer des Westen“, eine Personalgemeinde um Pfarrer Graeber, auf der ersten freien evangelischen Synode im Rheinland – der Keimzelle der Bekennenden Kirche (BK) im Rheinland, die Widerstand gegen die Kirchenpolitik der Nazis leistete.  Die Synode wählte ihn zum Rechtsexperten in den rheinischen Bruderrat. Im Mai 1934 nahm Heinemann an der Barmer Bekenntnissynode teil und gehörte seitdem zum Führungskreis der BK.

Auch nach dem Krieg blieb Heinemann ein engagierter Protestant. Schon im August 1945 berief man ihn in den Rat der EKD, in dem er bis 1967 mitarbeitete. Im Oktober 1945 war er unter den Unterzeichnern des Stuttgarter Schuldbekenntnisses, mit dem die Evangelische Kirche ihre Mitverantwortung an den Verbrechen des NS-Staates bekannte und sich anklagte, „dass wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben.“

1948 wurde er von der ersten gesamtdeutschen Kirchenversammlung zu ihrem Präsidenten gewählt und von 1949 bis 1955 war er Präses der EKD-Synode. In den 1960er Jahren verlieh ihm die Universität Bonn für sein langjähriges Wirken die theologische Ehrendoktorwürde.

Auch in seiner politischen Karriere nach dem Krieg blieb das Christentum sein Leitbild. Vor allem im Stuttgarter Schuldbekenntnis sah er eine Richtschnur für sein Handeln beim Aufbau eines neuen demokratischen Deutschlands mit mündigen Bürgern. Als Bundesminister und später als Bundespräsident setze er sich gegen Militarismus und Untertanengeist ein. Er stritt gegen die Wiederbewaffnung und gegen Atomwaffen. Als Staatsoberhaupt sah sich Heinemann als Bürgerpräsident.

Gustav Heinemann starb am 7. Juli 1976 in Essen. Auf seinen Wunsch beerdigte ihn sein Freund Helmut Gollwitzer. Heinemann bekam ein Ehrengrab auf dem Parkfriedhof in Essen. Sein Porträt, das nun eine Wand  in der dritten Etage des Landeskirchenamtes ziert, wurde von dem Künstler Harald Klemm gesprayt.

Gustav Heinemann

Ähnliche Artikel

Friedrich Wilhelm Raiffeisen

weiterlesen

Heinrich Held

weiterlesen

Georg Maus

weiterlesen