Schuldbekenntnis der Kirchenleitung der Evangelischen Kirche im Rheinland

Bei einem Radio-Gottesdienst zum Thema „Sexualisierte Gewalt und Kirche“ auf WDR 5 (siehe auch Pressemitteilung Nr. 188/2019) sprach Vizepräses Christoph Pistorius am Sonntag, 27. Oktober 2019, das folgende Schuldbekenntnis:

„Ewiger Gott, vor Dir bekennen wir unsere schwere Schuld. Als Kirche und als Einzelne.

Mein Name ist Christoph Pistorius.

Ich stehe hier als Vizepräses der Evangelischen Kirche im Rheinland. Ich bin Mitglied der Kirchenleitung und leite in der Landeskirche die Abteilung Personal, die für alle Pfarrerinnen und Pfarrer unserer Kirche zuständig ist. Seit vielen Jahren habe ich mit dem Thema sexualisierte Gewalt oder Missbrauch zu tun.

Unter dem Dach der Kirche haben Menschen die Würde anderer missachtet und verletzt. Unter dem Dach der Kirche haben Menschen ihren Mitmenschen Gewalt angetan, sie missbraucht und in vielen Fällen so deren weiteres Leben bleibend zerstört.

Unsere Kirche ist schuldig geworden, weil in ihr Täter geschützt wurden. In Gemeinden ist weggeschaut worden, weil das Ansehen des Amtsträgers hoch war. In der Kirche sind Opfer von sexualisierter Gewalt nicht gehört worden. In den Gemeinden und Einrichtungen unserer Kirche sind Kinder und Jugendliche nicht geschützt worden. Das ist unverzeihlich.

Ich kenne auch die andere Seite. Ich kann erzählen von Tätern, die die Folgen zu tragen hatten, nicht nur strafrechtlich, sondern auch ihren Dienst in der Kirche betreffend, wo die Institution schnell und konsequent gehandelt hat. Ich kann erzählen von Opfern, denen zu ihrem Recht verholfen wurde und die Unterstützung von vielen Menschen in der Kirche erfahren haben.

Für die Kirchenleitung der Evangelischen Kirche im Rheinland ist es eindeutig:

Täter dürfen auf keinen Fall durch ihr Amt in der Kirche vor Strafe und Konsequenzen geschützt werden. Täter dürfen nicht durch die persönliche Bekanntschaft mit Verantwortlichen geschützt werden. Opfer nehmen wir ernst. Betroffenen hören wir zu. Gegen das Wegschauen gehen wir vor. Verharmlosung und Unwissen müssen wir vorbeugen.

Ewiger Gott, vor Dir bekennen wir unsere schwere Schuld:

Unsere Worte kommen an ihre Grenzen, wo wir versagen.

Unsere Worte kommen an ihre Grenzen, wenn wir schuldig werden an unseren Nächsten und an Dir.

Heile Du, Gott.“