Ilse Härter

Ilse Härter (geboren am 12. Januar 1912 in Asperden, gestorben am 28. Dezember 2012 in Moyland) war eine der ersten beiden Frauen, die in Deutschland ordiniert wurden – im Jahr 1943 in Sachsenhausen. Die mutige Theologin engagierte sich in ihrem 100-jährigen Leben für die Gleichberechtigung von Frauen nicht nur im Pfarrberuf, für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung sowie die Aufarbeitung der Nazi-Verbrechen.

Ilse Härter bezeichnete sich selbst als nicht fromm. Sie mochte keine unverbindlichen frommen Sprüche. Ihr Wissensdurst ließ sie 1931 in Göttingen ein Theologie-Studium beginnen.

Die Bibel als unbedingte Richtschnur

Nach der Machtergreifung Hitlers stand Ilse Härter jedoch vor der Frage, ob sie das Studium noch fortsetzen sollte, da sie mit der deutsch-christlichen Kirche nichts zu tun haben wollte: „So viel hatte ich in den ersten drei Semestern gelernt, dass es hier um eine andere Bibel und einen anderen Gott ging. Ich war mir auch klar darüber, dass ich mich nicht in die Rolle zwingen lassen würde, die die Nationalsozialisten den Frauen diktierten.“ Auf den Rat eines Kommilitonen hin wechselte sie den Studienort und ging nach Königsberg: „Damit fiel meine Entscheidung, bei der Theologie zu bleiben. In den Kollegs der Professoren Schniewind und Iwand ging mir auf, wie sehr die Bibel in den gegenwärtigen Auseinandersetzungen Richtschnur sein konnte.“

„Bei meiner Einsegnung werde ich nicht anwesend sein“

Ilse Härter schloss sich der Bekennenden Kirche an, blieb aber kritisch: „Bei meiner Einsegnung werde ich nicht anwesend sein“, war ihre Antwort, als sie statt der Ordination eine für Vikarinnen vorgesehene Einsegnung erhalten sollte. Mehrere Jahre arbeitete sie ohne Einsegnung in verschiedenen Gemeinden der Bekennenden Kirche und übernahm volle Pfarrämter, bis sie zusammen mit Hannelotte Reiffen am 12. Januar 1943 durch den Präses des Bundesrates der Bekennenden Kirche in Brandenburg, Kurt Scharf, ordiniert wurde. Es waren die ersten und für lange Zeit die einzigen vollgültigen Ordinationen von Frauen in Deutschland.

Schul- und Berufsschulpfarrerin in Leverkusen und Wuppertal

Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete Ilse Härter bis zu ihrer Pensionierung 1972 als Schul- und Berufsschulpfarrerin in Leverkusen und Wuppertal-Elberfeld. Sie setzte sich für die Versöhnungsarbeit, für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung ein und wandte sich der Ökumene und der feministischen Theologie zu. In all diesen Bewegungen verlor sie nie den Blick dafür, die politische Dimension von Glauben und Theologie deutlich zu machen.

Bedeutung Härters bis in die Gegenwart

„Es kommt mir so vor, als gehörte sie zu unserem Team“, würdigte Irene Diller, Theologische Dezernentin der Gender- und Gleichstellungsstelle der rheinischen Kirche, die Bedeutung Härters bis in die Gegenwart bei einer Video-Hausandacht zur Vorstellung des „Kirchenkopf“-Porträts im Landeskirchenamt am 20. September 2021. In einer Dialogpredigt mit Diller erinnerte ihre scheidende Kollegin Beate Ludwig, Soziologische Dezernentin der Genderstelle, daran, dass auch der Start des Frauenreferats der Landeskirche 1992 „alles andere als leicht“ gewesen sei: „Die Kolleginnen sind nie vor Auseinandersetzungen zurückgeschreckt.“ Die Genderfrage habe sich jedenfalls bis heute nicht erledigt: „Der neue Gleichstellungsatlas belegt, dass Frauen in Leitungsämtern immer noch unterrepräsentiert sind.“ Die Gender- und Gleichstellungsstelle ist daher weiter gefragt – seit Mitte September unter neuem Namen: „Stabsstelle Vielfalt und Gender“.

  • Red.
  • Marcel Kuß