Mit GPS-Signal auf evangelischer Spurensuche

Verstecke und Stationen mithilfe von Geodaten aufzuspüren, ist in den vergangenen Jahren immer beliebter geworden. In Saarbrücken können Jung und Alt bei einem solchen Geocache auf den evangelischen Wegen der Stadt wandeln und Spannendes sowie Kurioses entdecken.

Im Jahr 2000 gibt die Regierung der USA das GPS-Signal ohne Verzerrung für die zivile Nutzung frei. Kurz darauf schlägt die Geburtsstunde des Geocachings, als der Amerikaner Dave Ulmer den ersten „Cache“ versteckt und die Koordinaten in einem Internetforum veröffentlicht. Schnell machen sich andere Nutzer auf die Suche danach. Heute ist diese moderne Art der Schnitzeljagd, deren Namen sich aus dem griechischen Wort „geo“ (Erde) sowie dem englischen Wort „cache“ (geheimes Lager) zusammensetzt, längst auch in Deutschland eine beliebte Freizeitaktivität. Vielerorts machen sich Menschen auf den Weg, um mithilfe von GPS-Geräten Verstecke und Stationen aufzufinden.

Dem evangelischen Saarbrücken auf der Spur

Mittlerweile gibt es viele Varianten dieser Schatzsuche, die jeweils zielgruppenorientiert entwickelt werden. Die Arbeitsgemeinschaft der evangelischen Jugend Saar (aej saar) hat sich dem ebenfalls angenommen. „Ein ehemaliger Kollege hat das Ganze 2014 angestoßen und mit pädagogischen Mitarbeitenden sowie Pfarrerinnen und Pfarrern eine Reihe von ,Educaches‘ erarbeitet“, berichtet Reiner Lenz, Geschäftsführender Referent der aej Saar. Das Ziel: christliche Bildungsinhalte über neue Wege vermitteln. Einer der damals entstandenen Geocaches führt durch das evangelische Saarbrücken – und ist Teil unserer Serie „Himmlische Ferien“.

Grundlage für den Geocache „Evangelische Wege durch St. Johann“ ist eine Stadtführung von Prof. Dr. Joachim Conrad, Pfarrer der Evangelischen Gemeinde Kölln im saarländischen Püttlingen. Er nimmt regelmäßig Interessierte mit auf Reisen durch Saarbrücken und bietet Wissenswertes rund um evangelische Bauwerke und Orte. „Unser Mitarbeiter war einmal dabei und hat daran anlehnend den Cache erarbeitet“, berichtet Lenz.

Die Geocacher und Geocacherinnen stoßen auch auf „Georg den Drachentöter“.

Schöne Gotteshäuser und Schauplätze der Versöhnung

Und so können sich Interessierte seit einigen Jahren in Saarbrücken auch selbst auf Entdeckungsreise begeben. Der Cache führt zu schönen Gotteshäusern, Schauplätzen von Konflikten und Versöhnung, zu Heiligen und einem Kuriosum. Es gilt unter anderem historische Szenen als Foto einzufangen, Saarbrücker zur Vergangenheit zu befragen und eine Fremdsprache zu erkunden. Eine der Stationen ist die neugotische Johanneskirche, die 1894 bis 1989 erbaut wurde. Als Teil des Projekts „City Kirche“ finden hier regelmäßig Konzerte, Performances und Diskussionsrunden statt. Nicht zuletzt beherbergt sie eine von 44 saarländischen Kirchengemeinden mit insgesamt 128.000 Mitgliedern, die zur rheinischen Kirche gehören.

Zu den beeindruckendsten Orten auf dem rund zwei Kilometer langen Kurs – vorausgesetzt, es werden alle Ziele sofort gefunden – zählt sicherlich die barocke Basilika, an der die Abenteurer mit Hilfe von Bibelstellen der Frage nachgehen müssen, welche Parallelen die Lebenswege von Johannes dem Täufer und Jesus mit sich bringen.

Die Basilika zählt sicher zu den beeindruckendsten Stationen des Geocaches.

GPS-Gerät oder Smartphone zum Navigieren

Neben dem Laufzettel (Achtung: alle Lösungen stehen auf der letzten Seite), der die Aufgaben und Koordinaten der elf Stationen beinhaltet, werden eine Kamera oder ein Smartphone zum Fotografieren sowie ein GPS-Gerät zum Ansteuern der Stationen benötigt. Geräte können etwa bei der aej Saar ausgeliehen werden. Navigiert werden kann auch mit dem Smartphone, beispielsweise mit Google Maps. Wichtig dabei ist, die Koordinaten ohne Buchstaben und mit einem Komma getrennt einzugeben. Ein Beispiel: Steht auf dem Laufzettel „N 49° 13.926 E 006° 59.718“ ist „49° 13.926, 006° 59.718“ einzutippen. Ähnlich funktioniert das auf iPhones.

Wer nach der Reise durchs evangelische Saarbrücken noch nicht genug hat, dem sei ein Besuch der Saarbrücker Ludwigskirche ans Herz gelegt. Sie gilt als eine der bekanntesten und schönsten evangelischen Barockkirchen in Deutschland. Nach völliger Zerstörung im Zweiten Weltkrieg durch einen britischen Bombenangriff wurde die Kirche wiederaufgebaut. Zusammen mit dem Ludwigsplatz, den umliegenden Palais und Beamtenhäusern bildet sie heute ein schönes Barockensemble, das 1775 fertiggestellt wurde.

INFO

Es gibt einige Parkmöglichkeiten, von denen die erste Station des Geocaches fußläufig gut zu erreichen ist. Dazu zählen vor allem die – kostenpflichtigen – Parkhäuser „Rathaus P2“, „Staatstheater P4“ „Am Schloss P21“ und „Karstadt P3“. Alle Infos zu Parkmöglichkeiten gibt es online. Eine Anreise ist aber auch mit Bus und Bahn möglich. Vom Hauptbahnhof Saarbrücken aus sind es zirka 15 Gehminuten bis zur ersten Station. Näher dran sind beispielsweise die Saarbahnhaltestellen „Landwehrplatz“ und „Johanneskirche“.

 

Laufzettel zum Ausdrucken

 

  • Andreas Attinger
  • Andreas Attinger
Download: Evangelische Wege durch St. Johann

Ähnliche Artikel

Die kleinste Kapelle am Niederrhein: Die Jona-Kapelle der evangelischen Kirchengemeinde Mönchengladbach-Großheide.

Die kleinste Kapelle am Niederrhein

weiterlesen

Eden und der Weltgarten auf der Landesgartenschau

weiterlesen
Aussenansicht der Versöhnungskirche im LVR-Freilichtmuseum Kommern.

Im Einbahnsystem durch die Kirche

weiterlesen

Loblied auf das Wunder der Menschheitsgeschichte

weiterlesen