Im Einbahnsystem durch die Kirche

Nach der Corona-Pause hat das Freilichtmuseum Kommern des Landschaftsverbands Rheinland seit Pfingsten und unter Schutzvorkehrungen wieder geöffnet. Damit kann auf dem dortigen Areal „Marktplatz Rheinland“ auch die aus dem rheinisch-bergischen Overath stammende Versöhnungskirche des Bauhaus-Architekten Otto Bartning erneut von außen und sogar von innen angeschaut werden.

In dem Museum in der Eifel ist derzeit der Einritt in acht von insgesamt siebzig Gebäuden möglich. In die noch geschlossenen historischen Bauten können die Besucherinnen und Besucher durch die Türen hineinsehen. „Wir können nur Häuser öffnen, die zwei Zugänge haben, sodass eine Einbahnregelung möglich ist“, informiert das Freilichtmuseum auf seiner Internetseite. Mit ihren zwei Türen an der Vorderseite bietet die Versöhnungskirche dafür die beste Voraussetzung: Mit Abstand und auf dem Weg in eine Richtung vom Eingang zum Ausgang kann die Einrichtung der Kirche angeschaut werden. Holzvertäfelung, Pult, Antependium oder Sitzbänke sind Originale aus den Anfangsjahren des Gebäudes oder ihnen authentisch nachempfunden.

Eine von etwa 100 noch erhaltenen Bartning-Kirchen

Aufwändig restauriert: die Diasporakapelle aus Overath vor der Einweihung im LVR-Freilichtmuseum Kommern.
Aufwändig restauriert: die Diasporakapelle aus Overath vor der Einweihung im LVR-Freilichtmuseum Kommern.

Die Kirche gehört zu den sogenannten Notkirchen, die der 1959 verstorbene Architekt Bartning nach dem zweiten Weltkrieg entwarf. Die Gebäude deckten einen großen Bedarf an sakralen Räumen: Gemeinden, deren Kirchen im Krieg zerstört und die mit den hinzugeflüchteten Protestantinnen und Protestanten stark angewachsen waren, fanden in ihnen Platz für Gemeinschaft und Gottesdienst. Die Versöhnungskirche ist eine der etwa 100 noch erhaltenen Bartning-Kirchen in Deutschland.

Weil ihre aufwändige Renovierung von der Evangelischen Kirchengemeinde Overath finanziell nicht zu leisten war, ging sie 2017 als Schenkung ans Museum. „Sie passt hervorragend auf unseren Marktplatz Rheinland, wo sie den Menschen neben Quelle-Fertighaus, Nissenhütten, Bungalow oder Gaststätte einen emotionalen Zugang zum Leben und Wohnen in der Region seit der Nachkriegszeit bietet“, freute sich damals Museumsdirektor Josef Mangold. Viele Monate lang haben seine Mitarbeitenden das Gebäude vor Ort zerlegt, die Einzelteile nach Kommern gebracht, im Museum restauriert und dort wieder zusammengesetzt.

Für alle Zeiten bewahrt

Abbau der Versöhnungskirche 2017 in Overath.
Abbau der Versöhnungskirche 2017 in Overath. Foto: Sabine Eisenhauer

Auch wenn der Verlust ihres entwidmeten Kirchengebäudes für viele Overather Gemeindemitglieder schmerzhaft war, so versöhnte sie dessen Wiederaufbau in Kommern: „Hier im Freilichtmuseum wird unsere Kirche von Fachleuten nicht nur restauriert, sondern für alle Zeiten bewahrt, und das tröstet mich“, sagte im vorigen Frühjahr eine Overatherin beim Richtfest des Gebäudes in Kommern. Mit Präses Manfred Rekowski und vielen hundert Gästen wurde die Bartning-Kirche dann im Juli 2019 im Museum eröffnet.

Anfang dieses Jahres plante die Overather Gemeinde für Juni einen Gottesdienst in ihrer ehemaligen Kirche auf dem Museumsgelände. Die Evangelische Kirchengemeinde Roggendorf, auf deren Gebiet das Gebäude nun steht, wollte in ihr zum „Tag der Ernte“ am kommenden 20. September einen Familiengottesdienst feiern. Die Pläne für ihre Feiern haben beide Gemeinden während der Corona-Maßnahmen erst einmal ruhen lassen. Derzeit sind außerdem Veranstaltungen im Museum noch nicht zugelassen. Ausgerichtet an der Infektionslage wird nun geklärt, ob und wann es weitere Lockerungen geben kann.

INFO

Das Museum hat derzeit veränderte Öffnungszeiten und kann von Dienstag bis Sonntag zwischen 11 und 17 Uhr bei Einhalten eines Abstands von mindesten 1,50 Metern zu anderen Gästen besucht werden. Die Sicherheitsmaßnahmen sehen vor, dass in manchen Gebäuden muss ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden, Mahlzeiten und Getränke gibt es nur zum Mitnehmen. Der Eintritt ins Museum sowie das Parken auf dem Gelände an der „Eickser Straße“ in Kommern sind frei. Bei eingeschränkter Mobilität ist der Zugang über die Straße „Neue Pfalz“ möglich. Im Museum liegen kostenlose „Himmlische Ferien“-Lesezeichen der Evangelischen Kirche im Rheinland zur Mitnahme aus.

  • Sabine Eisenhauer
  • LVR-Freilichtmuseum Kommern

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