Caspar Olevian

  • Simone Becker, Ulrike Klös
  • Goodlack
  • Marcel Kuß

Caspar Olevian (1536-1587) war ein bedeutender deutscher reformierter Theologe mit Wurzeln im Rheinland. Sein Porträt schmückt nun eine Wand im Landeskirchenamt. Erstellt hat es der Streetart-Künstler Ron Voigt aus Köln nach einem Kupferstich aus dem 16. Jahrhundert.   

Olevian, 1536 als Sohn eines Bäckermeisters und Ratsherrn geboren, hatte zunächst Jura in Frankreich studiert. Mit 20 Jahren geriet er bei einem Unfall an einem Fluss bei Bourges in Todesnot und gelobte auch Theologie zu studieren. In Genf hörte er daraufhin Vorlesungen bei dem Reformator Johannes Calvin und in Zürich bei Heinrich Bullinger. Mit reformatorischem Gedankengut im Gepäck kehrte er 1559 nach Trier zurück. Reformorientierte Trierer Ratsherren stellten ihn als Lateinlehrer an der Universität an. Und schon bald sorgte der damals 23-Jährige im streng katholischen Trier für eine Sensation: Am 10. August 1559 hielt er in der Bischofsstadt die erste evangelische Predigt – auf Deutsch.

Ein profilierter Vertreter der Theologie Calvins

„Das Rheinland hat im Reformationszeitalter eher wenige Theologen hervorgebracht, die Landeskinder waren“, sagt Dr. Andreas Metzing, Leiter der Evangelischen Archivstelle Boppard, bei der Online-Präsentation des neuen Wandporträts. „Caspar Olevian jedoch war ein rheinisches Eigengewächs: Ein Reformator der zweiten eigentlich schon dritten Generation und einer der profiliertesten Vertreter der Theologie Johannes Calvins im damaligen Deutschland.“

In mehrfacher Hinsicht prägend für die rheinische Kirche

Verewigt hat das Porträt des Reformators im Landeskirchenamt der Streetart-Künstler Ron Voigt aus Köln. Es ist mittlerweile das 17. von insgesamt 20 geplanten „Kirchenköpfen“. Mit der Reihe soll an Menschen erinnert werden, die die Evangelische Kirche im Rheinland geprägt und verändert haben. „Caspar Olevian ist in mehrfacher Hinsicht eine wichtige, unsere Landeskirche prägende Persönlichkeit, an die zu erinnern sich sehr lohnt“, sagt Dr. Andreas Metzing. „Dass die presbyterial-synodale Ordnung, die von Calvin in Genf entwickelt worden war, in Deutschland und besonders im Rheinland Fuß fassen konnte, hat auch viel mit dem Einfluss Olevians zu tun“, erklärt der Leiter der Archivstelle. Zudem war der deutsche Reformator wesentlich an der Einführung und Durchsetzung der wichtigsten reformierten Bekenntnisschrift, des Heidelberger Katechismus, beteiligt.

Verhaftet und aus der Stadt verwiesen

„Zeit seines Lebens setzte sich Olevian dafür ein, dem Calvinismus zum Durchbruch zu verhelfen“, sagt Metzing. In Trier jedoch scheiterte sein Reformationsversuch: Nachdem es der leidenschaftliche Prediger in kaum vier Wochen schaffte, etwa ein Drittel der Trierer Bevölkerung für die Reformation zu begeistern, zog der Trierer Erzbischof und Kurfürst Johann von der Leyen die Notbremse. Mit Waffengewalt ließ er Olevian und viele seiner Anhänger verhaften und machte ihnen im November den Prozess wegen Rebellion und Landfriedensbruch. Nach zehn Wochen Haft mussten die Protestanten Trier verlassen.

Heidelberger Katechismus

1560 ging Caspar Olevian an den kurpfälzischen Hof nach Heidelberg. „Die 1560er bis 1580er Jahre waren entscheidend für die Formierung und Organisation des reformierten Bekenntnisses im Westen Deutschlands“, erklärt Dr. Andreas Metzing. „Olevian als überzeugter Schüler Calvins hatte an diesem Prozess entscheidenden Anteil, indem er wesentlich an der Implementierung der wichtigsten reformierten Bekenntnisschrift, des Heidelberger Katechismus, beteiligt war.“

Gründungsrektor der Hohen Schule in Herborn

Doch auch in Heidelberg erfolgte ein kirchenpolitischer Umschwung. 1576 wurden alle reformierten Theologen der Stadt verwiesen. In der Grafschaft Wittgenstein-Berleburg und in den benachbarten Territorien initiierte Caspar Olevian die Einführung des reformierten Bekenntnisses. Den Höhepunkt seiner Laufbahn erreichte er ab 1584 als Gründungsrektor der Hohen Schule in Herborn. „Sie war die damals wichtigste reformierte Theologenausbildungsstätte von internationaler Ausstrahlung“, sagt Dr. Andreas Metzing.

Einführung einer presbyterial-synodalen Kirchenordnung

In seiner Funktion als Rektor organisierte Olevian 1586 eine große Generalsynode in Herborn. „Sie war für die Geschichte des reformierten Protestantismus in Deutschland sehr bedeutend, da sie eine nach niederländischem Vorbild presbyterial-synodal geprägte Kirchenordnung einführte“, erklärt der Leiter der Evangelischen Archivstelle Boppard. Diese galt gleich für vier Territorien, von denen zwei heute zum Gebiet der Evangelischen Kirche im Rheinland gehören.

Mit 50 Jahren stirbt er an den Folgen eines Unfalls

„Caspar Olevian war jedoch nicht nur Jurist, Kirchenpolitiker, Leiter einer großen Kirchenbehörde und Gründunsrektor einer führenden Hochschule“, sagt Prof. Dr. Andreas Mühling, Präsident der Caspar Olevian Gesellschaft, der im Landeskirchenamt eine Andacht zu dem Reformator hielt. „Er war auch Pfarrer.“ Auf dem Weg zu einem seelsorglichen Gespräch stürzte Caspar Olevian am 30. Dezember 1586 in Herborn schwer. Am 15. März 1587 erlag er den Folgen seiner Verletzungen.

Kirchenkopf Caspar Oelvian