Synode begann mit außergewöhnlichem Gottesdienst (Update 1 und 2. Tag)

[Kirchenkreis Moers] Die Synode, das Kirchenparlament des Kirchenkreises Moers, begann am 10. Juni 2022 um 17 Uhr mit einem Gottesdienst in der Ev. Christuskirche in Rheinhausen. Und den versah Pfarrer Dieter Herberth mit einem Paukenschlag: Auf der Kanzel zerschmetterte er einen Tonkrug. „Wir stehen auf den Scherben der Volkskirche“, sagte er. „Die Zahl der Kirchenmitglieder sinkt, die jungen Leute studieren nicht mehr Theologie. Was haben wir falsch gemacht?“ Das Bild vom zerschlagenen Tonkrug erklärte er später mit dem Verweis auf den Propheten Jeremia, der ebenfalls einen Tonkrug zerschlagen habe. Damals waren das jüdische Volk ins Exil verschleppt worden und lebte unter der Knechtschaft des Königs Nebukadnezar. „Sind wir auch im Exil?“, fragte Herbert und verneinte mit Blick auf das, was in der Kirche an guter Arbeit geleistet werde, die großartige Arbeit der vielen Haupt- bis Ehrenamtlichen. So fand er ein zweites Bild: Der Apfel trägt die Kerne bereits in sich. Wenn man sie einpflanzt, wächst ein Baum daraus. Er wird anders sein als der, an dem der Apfel wuchs, aber er wird neue Früchte tragen.

Besonders war der Gottesdienst auch aus einem zweiten Grund: Pastor Benjamin Hategekimana aus Ruanda übte mit den Synodalen ein ruandisches Pfingstlied ein, zu dem auch das Mitschwingen des Rhythmus mit den Armen gehörte. Der Kirchenkreis Moers ist mit dem „EPR Kigali Presbytery“ (Kirchenkreis Kigali der Presbyterianischen Kirche in Ruanda) seit dem Jahr 1985 partnerschaftlich eng verbunden. Zurzeit ist eine Delegation aus Ruanda zu Besuch im Kirchenkreis.

 

Den Zweck der Synodalkollekte benannte Lutz Zemke, Presbyteriumsvorsitzender der Ev. Kirchengemeinde Lintfort. Nachdem die Gemeinde drei 40-Tonner-Lastwagen gemeinsam mit der Grafschafter Diakonie, dem Diakonischen Werk im Kirchenkreis Moers, und anderen Partner*innen für die Flüchtenden Menschen aus der Ukraine mit Hilfsgüter beladen nach Polen und in die Ukraine schicken konnte , sollen jetzt Geflüchtete in Kamp-Lintfort beim Aufbau eigener Haushalte unterstützt werden. Die Kollekte solle jedoch konkret für die Einrichtung einer Betreuung für die Kinder der Geflüchteten im Paul-Gerhard-Haus verwendet werden. Über 800 Euro kamen zusammen.

Grußworte

Nach der Konstituierung der Synode im benachbarten Gemeindehaus sprach Superintendent Bienvenu Musabyimana aus dem Kirchenkreis Kigali in Ruanda ein Grußwort. Er betonte die enge Verbundenheit des Kirchenkreises Kigali mit den Moerser Geschwistern. Im Gebet, durch gegenseitige Besuche und den Austausch zu aktuellen Projekten sei man nah beieinander. Der Bau eines Gemeindezentrums in Genozi sei weit fortgeschritten. Ende des vergangenen Jahres habe die Superintendentur ihre Büros beziehen können. Nur noch zwei Klassenzimmer fehlten beim Bau der neuen Grundschule in in der Gemeinde Kinihira. Acht Klassen werden dort bereits unterrichtet und zum Lernen kommen Schüler und Schülerinnen vom Vorschulalter bis zum 5. Schuljahr dorthin. Superintendent Musabyimana berichtete den Synodalen auch von einer Sorge, die die ruandischen Gemeinden belastet: „Durch Covid haben viele Menschen ihre Arbeit verloren. Deshalb ist die Armut im Kirchenkreis gewachsen.“
Auch die Superintendent*innen der Nachbarkirchenkreise hatten Grüße geschickt.

Ökologische Themen

Als ersten Tagesordnungspunkt berichtete Wolfram Syben, Superintendent des Kirchenkreises Moers, dass der Kreissynodalvorstand (KSV) einen Einwand gegen den Regionalentwurf zum Kiesabbau verfasst und gemäß der Einwendungsfrist Ende April auf den Weg gebracht habe. Der von den Synodalen gewählte KSV leitet den Kirchenkreis zwischen den Synodaltagungen. Die Gemeinden seien über die Einwendung informiert worden mit der Bitte, sich ebenfalls zu positionieren. Mittlerweile sei auch gerichtlich festgestellt, dass der Regionalentwurf überarbeitet werden müsse. Der Text des kreiskirchlichen Einwandes im Wortlaut .
Mit dem ökologischen Handeln befasste sich auch der nächste Tagesordnungspunkt: Die Landessynode hat Kirchenkreise und Gemeinden zum Energiecontrolling und zum Erstellen von Gebäudeklimasteckbriefen verpflichtet. Der KSV hatte in seiner Sitzung am 27. Januar 2022 beschlossen, auf der Ebene des Kirchenkreises ein Energiemanagement aufzubauen, das Kirchengemeinden und den Kirchenkreis kontinuierlich bei dieser Arbeit unterstützen soll. Die Landeskirche hat festgelegt, dass das Verwaltungsamt diese Aufgabe zur Entlastung der Gemeinden übernimmt. Die Verwaltung hat Fördermittel dafür beantragt, die Bewilligung steht allerdings noch aus. Der Kreissynodalvorstand hat zudem beschlossen, die Gemeinden finanziell beim Erstellen der Gebäudegutachten anteilig zu unterstützen.

Notfallseelsorge und ehrenamtliche Seelsorge

Beim Tagesordnungspunkt Notfallseelsorge stimmten die Synodalen einem Beschlussvorschlag zu, der auch in den Kirchenkreisen Dinslaken, Duisburg, Kleve und Wesel zur Abstimmung steht. Der Beschluss sieht die gemeinsame Wahrnehmung der Notfallseelsorge vor, anteilig finanziert entsprechend der Zahl der Gemeindeglieder in den jeweiligen Kirchenkreisen. Der Kirchenkreis Moers soll geschäftsführender Kirchenkreis sein. Derzeit wird für die vakante Stelle des oder der hauptamtlichen Notfallseelsorgenden entweder ein*e Pfarrer*in, ein*e Theolog*in mit abgeschlossenem Hochschulstudium und Vikariat, ein*e Diakon*in, ein*e Gemeindepädagog*in oder ein*e Mitarbeiter*in mit vergleichbarer missionarischer Ausbildung gesucht.
Anschließend informierten Krankenhausseelsorgerin Anke Prumbaum und Synodalassessor Matthias Immer zu Überlegungen, aufgrund der guten Erfahrungen mit ehrenamtlichen Notfallseelsorgenden auch eine Ausbildung für ehrenamtliche allgemeine Seelsorge zu konzipieren. Der Synode wird bei ihrer Novembertagung ein Konzept zur Beratung vorgestellt.

Beschlüsse und Informationen

Weitere Tagesordnungspunkte umfassten die neue Geschäftsordnung für den Jugendausschuss, Änderungen im Rechnungsprüfungsgesetz und Informationen über den Stand der Arbeitsgruppe, die einen Vorschlag für die Pfarrstellenkonzeption der Jahre 2026 bis 2030 erarbeitet. Schließlich stimmten die Synodalen dem Vorschlag zu, eine Million Euro aus dem Sonderposten Finanzausgleich für den Personalentwicklungsfonds zu nutzen. Der Personalentwicklungsfonds dient der Sicherung und auch der Weiterentwicklung von Arbeitsfeldern in den sechs Regionen des Kirchenkreises.

Berufungen

Berufen wurden

  • Pfarrer Wolfgang Döring als Vorsitzender des Öffentlichkeitsausschusses
  • Daniela Fett-Bögner als Mitglied in den Familienbildungsausschuss
  • Pfarrerin Annette Vetter als Mitglied in den Schulausschuss.

Der erste Tag der Kreissynode endete um 21.25h mit der Bitte um den Segen.

Zweiter Tag

„Es ist selten der Fall, dass nach einer Andacht geklatscht wird,“ sagte Superintendent Wolfram Syben nach der Andacht von Kirsten-Luisa Wegmann, die damit das Thema am zweiten Tag der Synode das Schwerpunktthema eingeleitet hatte. „Das zeigt, wie stark Du uns erreicht hast. Danke für die vielen Spiegel, die Du uns vorgehalten hast.“ Pfarrerin Wegmann hatte in zeitgemäßer Sprache aus Sicht von Jesus einen Blick auf die Zerstörungen der Erde geworfen und kritische Anfragen an die kirchliche Arbeit mir der zunehmenden Belastung der kirchlichen Mitarbeitenden gestellt.

Frauenkirchentag Nord am 24. September 2022

Anschließend informierte Gabriele Irlbeck, synodale Frauenbeauftragte über den überregionalen Frauenkirchentag Nord am 24. September 2022. Er wird in der Erlöserkirche der Emmauskirchengemeinde von 10 bis 17 Uhr das Thema „Trotz allem: Träume wagen!?“ behandeln. Für die Synodalen wurden Flyer und Plakate erstellt, die in den Gemeinden ausgehängt und ausgelegt werden sollen. Weitere Informationen finden sich unter www.frauenhilfe-rheinland.de
„Die Zukunft der Arbeit im Weinberg des Herrn…“ – unter diesem Motto stand das Schwerpunktthema der Synode. Angeregt hatte es der Personalplanungsausschuss. Er berät u.a. über Anträge aus den Regionen über Zuweisung finanzieller Mittel aus dem Personalentwicklungsfonds. Der Ausschuss überblickt Entwicklungen der Personalentwicklung und gibt auch Empfehlungen ab zu Maßnahmen zur Sicherung kirchlicher Berufsfelder wie etwa der Kirchenmusik, Kinder- und Jugendarbeit, Gemeindebüros, Küster*innendienst. Der KSV hatte deswegen Pfarrerin Dr. Rebecca John Klug eingeladen. Sie ist Projektleiterin für das Projekt Erprobungsräume der Ev. Kirche im Rheinland.

Geschnittenes Holz wird zum Dünger für Neues

Pfarrerin John Klug stellte die Erfahrung dar, wenn sich aus einem Projekt etwas Neues ergebe, würden oft keine Mittel zur Verfügung gestellt, um dieses zum regulären Arbeitsfeld zu machen, da Ressourcen knapp seien. Es bedeute Mut, wirklich loszulassen, sich von Altem zu trennen. Im Vortrag blieb sie beim Bild des Winzers. Er schneidet die Reben, damit neue Reben wachsen können. Das geschnittene Holz wird als Dünger genutzt und unterstütze das Gedeihen des Neuen. Er achtet darauf, dass alle Triebe mit genügend Nährstoffen versehen sind und schafft Platz für Luft und Licht, in dem er auch das Laub schneidet. Schließlich muss ein Winzer auch Risiken abwägen, wann geerntet werden muss, oder wieviel Zeit die Trauben noch haben sollen, um weitere Süße zu entwickeln. Genauso müsse es auch die Kirche tun. Fokussieren, was nötig ist, vielleicht den Mut haben, Risiken einzugehen, diese aber auch einschätzen können. Für diese Sichtweise sei ein großzügiges Verständnis von Kirche und Gemeinde notwendig. Zudem werde enorm viel Beziehungsarbeit gebraucht, denn Veränderungen betreffen Liebgewonnenes, Gewohntes sowie Arbeitsplätze und können Konkurrenz schaffen. Den Vortrag gestaltete sie interaktiv: Die Synodalen forderte sie auf, sich per Smartphones online zu beteiligen. So konnten die Synodalen Fragen beantworten, die dann live auf der Leinwand angezeigt wurden und sich zu Begriffswolken verdichteten. Die Ergebnisse erlaubten der Synode einen Blick auf die Ressourcen, die in ihren Gemeinden mit den vielen Persönlichkeiten vorhanden sind. „Was ist Ihre größte Stärke in einem Veränderungsprozess“, lautete eine der Fragen. „Flexibiliät“, „Kreativität“ lautete vielfach die Antwort der Synodalen, der Begriff „Durchhaltekraft“ wurde benannt, das Stichwort „gute Laune“ tauchte auf, „sagen, was ist“ und „kommunizieren“ war zu lesen. Eine Diskussion schloss sich an und die Synodalen stellten der Referentin Fragen.

Anschließend diskutierten sie in Arbeitsgruppen sowohl den Impulsvortrag wie auch die Überlegungen des Personalplanungsausschusses. Im Plenum berichteten sie von ihren Diskussionsergebnissen.

Kita-Ausschuss bekommt neue Aufgaben

Im letzten Tagesordnungspunkt stellte Pfarrer Wolfgang Döring Überlegungen vor, den KiTa-Auschuss mit neuen Aufgaben zu betrauen und ihn neu zu besetzen. Hintergrund: Mit dem Trägerwechsel vieler KiTas in ehemals gemeindlicher Trägerschaft und dem Übergang der KiTa-Fachberatung an den Neukirchener Erziehungsverein, fallen für den Ausschuss Themen wie Finanzen, Personal, Qualitätsmanagement etc. weg. Hingegen muss der Fokus jetzt stärker auf die Sicherung der religionspädagogischen Arbeit gelegt werden, sowie den Austausch zwischen den KiTas, der früher selbstverständlich war. Der KiTa-Ausschuss schlägt vor, bis zur Synodaltagung im November 2022 Vorschläge zu entwickeln, welche Themen in der Verantwortung des Ausschuss stehen sollen und wie er besetzt sein sollte. Die Synodalen stimmten dem Vorschlag zu.

Erwachsenenbildung mit Thema „Frieden“

Unter dem die Tagung abschließenden Punkt Verschiedenes wies Hinrich Kley-Olsen vom Neuen Ev. Forum Kirchenkreis Moers auf die Veranstaltungsreihe der kreiskirchlichen Erwachsenenbildung im zweiten Halbjahr hin. Sie trägt den Titel „Frieden – Veranstaltungen zum guten Umgang mit sich selbst, mit anderen und von Ländern untereinander.“ und umfasst Vorträge etwa zum Thema Frieden und Krieg im Nachkriegseuropa, Musiktheater, Konzerte, Seminare, z. B. zur gewaltfreien Kommunikation, Infos zum Thema „Krieg“ in Kinderbüchern etc.

Um 12:55 Uhr schloss auch dieser Synodentag mit einem Lied und der Bitte um den Segen.

 

  • 10.6.2022
  • Pressereferat Kirchenkreis Moers
  • Red