Aktion Klimafasten: Wie kann ich nachhaltiger leben?

Die Fastenzeit hat begonnen und damit auch die Aktion „Klimafasten“. Mittendrin ist Carla Peekhaus. Die 18-Jährige beschäftigt sich seit ihrer Kindheit mit dem Thema Nachhaltigkeit und setzt sich in der kirchlichen Jugendarbeit stark für Klimaschutz ein.

Klimaschutz ist für Carla Peekhaus ein Herzensthema, das ihr gewisser Weise in die Wiege gelegt wurde. „Meine Eltern haben mir Nachhaltigkeit vorgelebt“, betont die 18-Jährige. Es sei beispielsweise stets wenig weggeworfen worden. „Mit der Zeit habe ich immer mehr gelernt, was Klimaschutz bedeutet und was man alles dafür tun kann“, berichtet sie. Mit den Fridays-for-Future-Demos habe sich ihr Engagement endgültig entfaltet.

Sieben Wochen, sieben Themen

Und so verwundert es nicht, dass die 18-Jährige bei der Aktion Klimafasten mitmacht. Ab dem 17. Februar stehen dabei sieben Wochen lang Ziele beziehungsweise Themen rund um ein nachhaltigeres Leben im Mittelpunkt. Zu Beginn geht es um den „Wasserfußabdruck“. Weitere Themen sind etwa sparsames Heizen oder „bewusstes Digital-Sein“. Peekhaus selbst ist als FSJlerin der Jugendkirche Aachen (JuKi) an der Organisation eines der sieben Online-Treffen im Zuge des ökumenischen Klimafastens der Kirchengemeinde Aachen beteiligt. „Am 26. März wirke ich an einem Abend zum Thema ,Eine Woche Zeit für ein einfaches Leben‘ mit“, erklärt sie. Zentrale Fragen dabei sind: Was bedeutet ein einfaches Leben? Und was hat das mit Klimaschutz zu tun?

Carla Peekhaus versucht, das Thema Klimaschutz auch in ihre Arbeit als FSJlerin der JuKi Aachen einfließen zu lassen.

„Wer nachhaltiger lebt, spart Geld“

Die Tochter eines Pfarrerehepaars versteht unter einem einfachen Leben, nicht zu viel Materielles zu besitzen und Vorhandenes wertzuschätzen. „Es gilt, sich zu hinterfragen, was man wirklich braucht. Es muss sicher nicht jede Woche ein neuer Pulli sein.“ Das habe zudem noch einen weiteren positiven Nebeneffekt, wie sie in einer simplen Rechnung erläutert: „Wer einfacher lebt, lebt nicht nur nachhaltig, sondern spart auch Geld.“ Ohnehin sei ein übermäßiger Konsum der größte Klimakiller.

Bewusst für nachhaltige Lebensweise entschieden

Deshalb hat sie sich für eine nachhaltige Lebensweise und klimagerechtes Handeln entschieden. Bereits im Alter von sieben Jahren sei sie Vegetarierin geworden. Gemüse und Obst kaufe sie lose. Verlässt sie einen Raum, schaltet sie nach eigener Aussage immer das Licht aus. „Und ich frage mich: Muss ich heizen oder reicht ein dicker Pulli?“ Zum Teil nutze sie festes Shampoo, stelle Waschmittel selbst her und achte darauf, plastikfreie Kosmetika zu kaufen. „In herkömmlichem Shampoo oder Duschgel ist häufig Mikroplastik, das ist für Meere extrem schädlich, weil man es nicht herausfiltern kann.“ Tiere würden es fressen und schließlich daran sterben.

Klimaschutz als wichtiges Thema für Jugendarbeit

Manchen Menschen sei das nicht bewusst, weil sie es schlicht nicht wüssten. Deshalb möchte Peekhaus über solche Themen aufklären und informieren. Dafür nutzt sie ihre Arbeit in der JuKi, aber auch ihr Ehrenamt in der Jugendarbeit ihres Heimatkirchenkreises An Nahe und Glan. Sie führt Infoveranstaltungen und Workshops durch – beispielsweise zur Herstellung von nachhaltigem Shampoo. Außerdem ist sie Teil des Projekts „Erdretter:in “. Dabei wurden ausgehend vom Erdüberlastungstag, dem 22. August 2020, jeden Tag Tipps und Infos rund um Nachhaltigkeit auf Instagram gepostet.

Kleider tauschen statt neu kaufen

Für all diejenigen, die gerne nachhaltiger leben möchten, hat sie Tipps parat. „Als erster Schritt eignet sich immer, plastikfrei einzukaufen“, erklärt sie. Zudem seien biologische, faire, aber auch regionale Produkte immer besser. Möbel könnten gebraucht gekauft werden, ebenso wie Kleidung. „Ich mache auch Kleidertausch. Das ist total cool, weil man neue Sachen bekommt, ohne Geld auszugeben.“

„Ich stoße auch immer wieder an Grenzen“

Peekhaus ist sich aber bewusst, dass ein nachhaltigeres Leben nicht immer ohne Weiteres möglich ist. „Ich stoße selbst auch immer wieder an Grenzen“, sagt sie. Ein Beispiel sei die Mobilität. „Ich bin in Gebroth im Hunsrück aufgewachsen, dort ist es sehr ländlich, es fährt ganz selten ein Bus. Da war ich oft auf das Auto angewiesen.“ Knifflig finde sie zudem die Frage, ob nachhaltige, faire oder biologische Produkte besser seien. „Und natürlich gibt es Dinge, die ich einfach gerne mag, obwohl sie nicht wirklich nachhaltig sind, beispielsweise Avocados“, gibt sie zu. Doch dafür hat sie ebenfalls eine Lösung gefunden. „Ich kaufe das eben nicht jede Woche.“

Klimafasten-Erfahrungen auf Instagram

Ohnehin sei ein totaler Verzicht nicht das Richtige. „So bringt man niemanden dazu, nachhaltiger zu leben.“ Es gelte vielmehr, ein Gleichgewicht zu schaffen. „Manchmal reicht es aus, bewusster zu konsumieren, zu reduzieren und abzuwägen.“ Ihr Mittel zum Erfolg lautet dabei: Mit kleinen Schritten anfangen und ausprobieren, auf was verzichtet werden kann. Um das vorzuleben, wird sie sich an allen Wochenthemen des Klimafastens aktiv beteiligen. Ihre Erfahrungen sowie Tipps und Infos teilt sie mit anderen Ehren- und Hauptamtlichen in den sozialen Medien. Zu verfolgen sind die Posts auf dem Instagram-Kanal „evangelisch“ der rheinischen Kirche sowie dem Kanal der Evangelischen Jugend an Nahe und Glan .

Info: Klimafasten 2021

Unter dem Motto „So viel Du brauchst“ rufen Kirchen und Bistümer auch in diesem Jahr zum Klimafasten auf. Die siebenwöchige Aktion zwischen Aschermittwoch (17. Februar) und Ostersonntag (4. April) soll dazu anregen, bewusster zu leben und im Alltag mehr auf die Umwelt zu achten. Alle Informationen sowie Materialien und Terminhinweise gibt es hier . An der Aktion beteiligen sich auch einige rheinische Kirchengemeinden. Neben der Evangelischen Kirchengemeinde Aachen bietet beispielsweise die Evangelische Bonhoeffer-Gemeinde Marxloh Obermarxloh eine Internet-Fastenaktion. Immer dienstags um 19 Uhr wird in Videokonferenzen auf Abgründe des menschlichen Daseins geblickt. Alle Infos zur Aktion gibt es hier.

  • 17.2.2021
  • Andreas Attinger
  • Michael Hüter, Jugendkirche Aachen , www.klimafasten.de