Willkommen im Empfangshaus!

Die Evangelische Jugendbildungsstätte Hackhauser Hof in Solingen-Ohligs hat ein neues Verwaltungsgebäude bekommen. „Empfangshaus“ nennen es die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter liebevoll, da es mit seinen großen Fenstern und dem gut sichtbaren Empfangsbereich so einladend und offen wirkt. Aber der Neubau ist nicht nur schön anzusehen, sondern hat es auch ökologisch in sich: Er wurde mit dem Gold-Standard der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB) ausgezeichnet.

Als die Landeskirche im Jahr 2017 dem Hackhauser Hof grünes Licht zum Neubau gab – Platzmangel im Altbau machte diese Entscheidung notwendig – war auf beiden Seiten klar, dass Nachhaltigkeit bei dem Bauprojekt eine große Rolle spielen sollte.  „Nachhaltigkeit ist eine wichtige Tradition in unserem Selbstverständnis. Das kommt in unseren Bildungsinhalten sowie auch bei der Bewirtschaftung und Verpflegung zum Ausdruck,“ sagt Anke Rikowski-Bertsch, Leiterin der Jugendbildungsstätte.

Anke Rikowski-Bertsch, Leiterin der Jugendbildungsstätte, und Architekt Gernot Bräker sind zufrieden mit der Umsetzung des nachhaltigen Bauprojekts.

Neubau-Projekte sind selten

Klimaschützend und energiesparend zu bauen, gehört im Baudezernat der Evangelischen Kirche im Rheinland ebenfalls zum Selbstverständnis. „Bewahrung der Schöpfung ist einer der Grundsätze unserer Arbeit,“ sagt Architekt Gernot Bräker, der das Projekt von landeskirchlicher Seite aus begleitet hat. Das Baudezernat habe allerdings vorwiegend mit Instandsetzungen bestehender Gebäude zu tun. „Ein Neubau ist eher selten“, sagt Gernot Bräker. „Deshalb eignete sich dieses Projekt hervorragend als Pilot, um Erfahrungen im nachhaltigen Bauen zu sammeln.“

Im zweiten Stock entsteht Wohnraum

Das zweistöckige Verwaltungs- und Wohnhaus wurde auf dem Fundament eines ehemaligen Hausmeisterhauses errichtet. Im Erdgeschoss, auf einer Fläche von 225 Quadratmetern, befinden sich der Empfang, ein großer Besprechungsraum und Büros. Im ersten Stock gibt es auf 100 Quadratmetern Wohnraum: ein Gästeapartment für zwei Personen sowie eine WG für zwei bis vier Personen. Dort sollen künftig junge Menschen aus dem Ausland untergebracht werden, die über den Freiwilligen Friedensdienst , der ebenfalls auf dem Hackhauser Hof beheimatet ist, einen Bundesfreiwilligendienst in Deutschland absolvieren.

Das Büro der Buchaltung. Die Einrichtungen der einzelnen Räume sind zweckmäßig auf die Bedürfnisse der Menschen abgestimmt, die darin arbeiten.

Holzbauweise schont Energie und Ressourcen

Die neuaufgesetzten Geschosse wurden in Holzständerbauweise aus FSC-zertifiziertem Holz errichtet. Hergestellt wurden die Module von einer Leverkusener Zimmerei. Vorteile der Holzbauweise sind, dass sie energie- und ressourcenschonender als der herkömmliche Steinbau ist. Die Baustoffe sind recycling-freundlicher und das Gebäude ist später besser rückbaubar. Die Außenfassade mit großen Fenstern besteht teilweise aus weißem Putz und Holzverschalung.

Verwaltungsbereich ist komplett barrierefrei

Die Räume im Erdgeschoss sind komplett barrierefrei: Es gibt breite Durchgänge und Türen mit niedrig angesetzten Klinken, einen abgesenkten Empfangstresen, einen Hubaufzug für Rollstuhlfahrinnern und -fahrer sowie ein behindertengerechtes WC. „Die barrierefreie Gestaltung freut mich persönlich am meisten,“ sagt Verwaltungsleiter Reinhard Ullrich, der das Bauprojekt seitens des Hackhauser Hofs gesteuert hat. „Jetzt können zum Beispiel auch Menschen im Rollstuhl gut bei uns arbeiten. Das ist ein wirklich schönes Momentum.“  Im Altbau mit vielen Treppen wäre das unmöglich gewesen. In seinem neuen Büro hat sich der Verwaltungsleiter sofort wohlgefühlt – durch das große Panorama-Fenster blickt er direkt ins Grüne.

Verwaltungsleiter Reinhard Ullrich in seinem Büro mit einem großen Panoramafenster. Foto: Anke Rikowski-Bertsch

Gold-Standard schon bei der Planung erreicht

Mit der Zertifizierung durch die Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB) hatte man sich ein anspruchsvolles Ziel gesetzt:  Je nach Gebäudetyp fließen bis zu 40 Nachhaltigskeitskriterien in die Bewertung ein. Sie zielen auf eine ganzheitliche Qualität bei Planung, Bau und Betrieb und umfassen im Wesentlichen die Bereiche Ökonomie, Ökologie und Soziokulturelles. Je nach Erfüllung der Kriterien vergibt die DGNB Zertifikate in Platin, Gold, Silber oder Bronze. Der Verwaltungsneubau hatte bereits bei der Prüfung der Bauplanung die Kriterien des Gold-Standards erfüllt. Dass die höchste Stufe Platin nicht erreicht werden kann, liegt an der Heizung: Der Neubau wird vom Altbau mit beheizt und die Heizungsanlage entspricht nicht den Anforderungen der DGNB. „Eine neue Heizungsanlage für eine höhere Zertifizierung zu bauen, wenn die vorhandene gut funktioniert, wäre einfach Unsinn gewesen“, erklärt Gernot Bräker.

Wertvolle Erkenntnisse für zukünftige Projekte

So toll die Zertifizierung auch ist, viel wichtiger sei es gewesen, sich als Landeskirche in puncto nachhaltiges Bauen weiterzuentwickeln und Erkenntnisse für zukünftige Bauprojekte zu gewinnen.  „Wir sind jetzt in der Lage, konsequent Standards zu setzen – wie die Erstellung eines Baustoff-Katalogs“, sagt Bräker. Mit der Umsetzung des Bauprojekts ist er zufrieden. Als Architekt gefallen ihm grundsätzlich die Holzbauweise und im Besonderen der großzügig gestaltete Empfang. „Der Bezug nach außen ist gelungen, das Gesamtkonzept ist aufgegangen,“ erklärt er zusammenfassend. Entworfen, geplant und über die ganz Phase der Umsetzung betreut, wurde das Projekt durch die Architektin Uta Löer vom Architekturbüro „bauraum architekten“ .

Der Empfangsbereich hat einen abgesenkten Tresen, über den auch Rollstuhlfahrerinnen und -fahrer mühelos blicken können.

Freude über Investition in Jugendbildung

Die Bausumme beläuft sich insgesamt auf rund 1,4 Millionen Euro. „Wir sind froh, dass die Landeskirche Jugendbildung wertschätzt und in unseren Standort investiert hat,“ sagt Bildungsstättenleiterin Anke Rikowski-Bertsch. Auch sie ist mit der Umsetzung des Neubaus zufrieden: „Leben und lernen im Grünen ist das Motto des Hackhauser Hofs. Das findet auch in dem neuen Gebäude Ausdruck“.

  • 4.2.2021
  • Christina Schramm
  • Gerhard Bartsch