Mit 66 Jahren geht das Leben anders weiter - Dankeschön

Christuskirche: Pfarrehepaar wurde nach 38 Jahren in den Ruhestand verabschiedet

Am Sonntag, 30. Juni 2024 wurden Pfarrerin Anke Brüggemann-Diederichs und Pfarrer Martin Diederichs im Gottesdienst um 14 Uhr in der Christuskirche, Schönwasserstraße  108, Krefeld, verabschiedet. Das Pfarrehepaar wurde durch Superintendentin Dr. Barbara Schwahn aus ihrem Dienst entpflichtet. Im Anschluss war Empfang.

Anke Brüggemann-Diederichs und Martin Diederichs haben sich auch im aktuellen Gemeindebrief mit persönlichen Worten verabschiedet (siehe weiter unten). Ein kleines Resümee über 38 Jahre voller Aktivitäten in der Kirchengemeinde Krefeld-Ost, in Bockum. Beide haben sich auch viele Jahre über ihre Gemeinde hinaus eingesetzt. So war Pfarrerin Anke-Brüggemann-Diederichs beispielsweise  im Kreissynodalvorstand des Kirchenkreises Krefeld-Viersen tätig, mehrere Jahre als Skriba, sie war Vorsitzende des Kuratoriums der Diakonie Krefeld & Viersen-Viersen und knapp zehn Jahre im Partnerschaftskomitee der Kirchenkreise Krefeld-Viersen und Humbang auf Nordsumatra. Herzlichen Dank und Gottes Segen für den Ruhestand!


„Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an!“
So sang Udo Jürgens.
Wir sagen: Nein! Es geht nur ein wenig anders weiter!

Ziemlich zu Anfang unserer Dienstzeit sagte der damalige Kollege Pfarrer Volker Harder zu uns: „Krefeld ist ein Klebpflaster.“ Und er meinte damit: Hier bleiben die Pfarrer lange in einer Gemeinde. Das war uns damals fremd. In unseren Heimatstädten Wuppertal und Duisburg kannten wir eher Kolleginnen und Kollegen, die nach 10, 15 Jahren in eine andere Gemeinde gewechselt sind. Mehr als 20 Jahre in einer Gemeinde zu arbeiten? Das konnten wir uns damals nicht vorstellen. Nun ist es ganz anders gekommen: Seit nun 37 bzw. 38 Jahren sind wir in Bockum tätig. Das ist weit mehr als die Hälfte unseres bisherigen Lebens! Und es ist ein Zeichen dafür, wie wohl wir uns hier gefühlt haben! Zuweilen haben wir uns gefragt: Wäre es für die Gemeinde – und für uns – nicht besser, wenn wir uns verabschieden und irgendwo anders noch einmal neu anfangen würden? Aber würden wir es wieder so gut antreffen und uns so wohlfühlen wie in Bockum?

Wir sind geblieben, denn hier ist „gut leben und arbeiten“! Uns hat gefallen: Wir mussten nicht in erster Linie „der Motor der Gemeinde“ sein und vieles allein machen. Im Gegenteil: Es waren immer Menschen da, die ihre Ideen und Vorstellungen und ihr Engagement in die Gemeindearbeit eingebracht haben. Unser Anliegen war es, die guten Energien und Initiativen zu fördern und wachsen zu lassen. Vieles ist hier in Bockum immer selbständig gelaufen. Das heißt: Vieles lag und liegt in der Verantwortung von ehrenamtlich und hauptamtlich Mitarbeitenden (z.B. die Gemeindebriefredaktion, die Gruppen, die Vorbereitung von Festen, das PlatanenCafé, die Bunte Reihe, die Kinder- und Jugendarbeit und vieles mehr).

Wir haben uns hier und dort mit dem, was wir „gelernt“ haben, mit unserem Fachwissen und unseren pastoralen Kompetenzen eingebracht. Wir haben theologische Akzente gesetzt. Uns war es z.B. wichtig, christlich-jüdische Zusammenhänge aufzuzeigen, und von der Zulassung von Kindern zum Abendmahl konnten wir das Presbyterium und die Gemeinde schon 1991 überzeugen. In Gruppen haben wir zu christlichen Themen Vorträge gehalten und vor allem Glaubensfragen diskutiert. Wir haben versucht, für schwierige theologische Gedanken eine verständliche Sprache zu finden und Menschen darin zu bestärken, von ihrem eigenen Glauben zu reden. Als große Bereicherung – auch für uns – haben wir da so manches Gottesdienstnachgespräch erlebt.
Die Menschen in der Gemeinde (und im Stadtteil) kennenzulernen, sie in ihrer Unterschiedlichkeit wahrzunehmen, sie an den Wendepunkten des Lebens als Pfarrer und Pfarrerin zu begleiten, für sie im Alltag ansprechbar zu sein, Zeit für Gespräche und ein offenes Ohr für ihre Sorgen zu haben, darum haben wir uns bemüht. (Wir hoffen, es ist uns auch oft gelungen.) Zu denen, die wir z.B. im Gottesdienst, im Kirchencafé, im Konfirmandenunterricht oder im Presbyterium treffen, haben wir regelmäßigen und intensiven Kontakt. Zu anderen hat sich eine Verbundenheit gerade durch die jahrelange Begleitung bei Taufen, Trauungen, Beerdigungen entwickelt.
Uns beiden war es von Anfang an wichtig, an einer Gemeinde „mitzubauen“, in der möglichst alle Generationen irgendwie vorkommen und möglichst viele Menschen ein Angebot finden, das sie anspricht: Eltern-Kind-Gruppen, Familienzentrum, UdK, Kinderbibelmorgen, Chorarbeit für Klein und Groß, Seniorentreff und Männerkreis … Gott sei Dank! Viele haben mit uns „an einem Strang gezogen“: engagierte Presbyterinnen und Presbyter und unzählige haupt- und ehrenamtlich Tätige. Wir waren als Pfarrer und Pfarrerin immer Teil von einem Team. So ist die Gemeindearbeit über fast vier Jahrzehnte „in Fluss“ geblieben, hat sich verändert und weiterentwickelt. Immer wieder haben wir zusammen überlegt: Wie kann der KiBiMo attraktiver  werden? Was sind die Säulen der Kinder- und Jugendarbeit? Wie kann der Vorplatz so gestaltet werden, dass er zum Treffpunkt für den Stadtteil wird? Wie können die Gottesdienste
„attraktiver“ werden?
Wir sind sehr dankbar dafür, dass wir an vielen Orten in der Gemeinde entdecken dürfen: Hier gehen Menschen seelsorglich miteinander um und sind bereit, einander zu helfen und beizustehen. Wir finden, unsere Gemeinde hat, fachlich ausgedrückt, ein gute diakonische Kompetenz. Deshalb haben wir hier gern gelebt und gearbeitet. Wir haben erleben dürfen, dass etwas wächst. Dazu haben auch der Förderverein unserer Gemeinde und seine Stiftung beigetragen. Sie haben so manches möglich gemacht, was ganz und gar nicht selbstverständlich ist, aber unsere Arbeit und das Leben in der Gemeinde sehr unterstützt hat: Arbeitsstunden von Mitarbeitenden konnten aufgestockt und Anschaffungen zur Verschönerung getätigt werden.

Mit Menschen über unseren Glauben ins Gespräch zu kommen und sie an der Gestaltung von Gottesdiensten zu beteiligen, auch das war uns von Anfang an wichtig. Neue Liturgien wurden entwickelt. Unsere Gemeindechöre, aber auch auswärtige Musikgruppen haben den Gottesdienst bereichert. Mit Männern und Konfirmandinnen und Konfirmanden, mit dem  Frauengesprächskreis oder dem Ausschuss für Gottesdienst und Theologie haben wir Gottesdienste vorbereitet, und in Vielen ist der Mut gewachsen, vor der Gemeinde Gebete zu sprechen und das Predigen auszuprobieren. Das war viel Arbeit! Aber wir wurden dafür „belohnt“ mit spannenden Diskussionen und mit dem Eindruck: Hier wächst das Bewusstsein dafür, dass in
unserer evangelischen Kirche alle Gläubigen Priester und Priesterinnen sind.

Breiten Raum hat in unserer pfarramtlichen Arbeit der Konfirmandenunterricht eingenommen. Unsere Gemeinde kann sich glücklich schätzen, dass noch so viele getaufte Jugendliche (etwa 75 %) am Konfirmandenunterricht teilnehmen. In den letzten Jahren waren es pro Jahrgang zwischen 30 und 50 junge Menschen. Aber für uns bedeutete es: Zwei Nachmittage waren für die Gruppen „geblockt“. Wir haben es als den schwersten Teil unserer Arbeit empfunden, manchmal sehr herausfordernd und anstrengend. Immer wieder sind wir an die Grenzen unserer Kraft gestoßen und haben zuweilen an uns selbst, an unseren pädagogischen Fähigkeiten „gezweifelt“. Aber auch hier hatten wir Unterstützung: durch Jugendleiterin und ehrenamtlich Mitarbeitende. Und die Konfirmationsgottesdienste, von den Jugendlichen vorbereitet und gestaltet, waren oft „der krönende Abschluss“ einer turbulenten Zeit.

Zu unserer Tätigkeit als Pfarrer und Pfarrerin gehörten auch Dienste außerhalb der „eigentlichen“ Gemeinde. Wir haben uns für die Kooperation mit der Gemeinde Krefeld-Nord stark gemacht und auch für die Kontakte zur katholischen Nachbargemeinde St. Christophorus. Regelmäßig kamen Menschen ohne festen Wohnsitz und mit besonderen sozialen Problemen an unsere Haustür. Wir haben ihnen oft ein offenes Ohr geschenkt – und im Auftrag der Gemeinde – 10 € pro Monat. Der eine hat sich in der Leitung des Evangelischen Gemeindeverbandes Krefeld engagiert, die andere für Belange und Aufgaben im Kirchenkreis. Bei der Notfallseelsorge waren wir von Anfang an dabei. Und in den letzten Jahren haben uns die Strukturfragen
viel Zeit und Kraft „gekostet“: Wie wird und muss sich unsere Kirche und unsere Gemeinde verändern? Wir haben uns immer dafür eingesetzt, Dinge Schritt für Schritt zu verändern und Strukturen langsam weiterzuentwickeln: Wo sind gute Energien, die gestärkt werden sollten? Welche Veränderung fördert ein lebendiges Gemeindeleben? Hoffentlich werden diese Fragen auch weiterhin gestellt!
Die Gemeinde Krefeld-Ost war für uns nicht nur der Ort, wo wir gearbeitet haben. Wir haben hier mit unserer Familie auch gelebt. Und wir haben hier gern gelebt! Zuweilen sind Dienst und Privates ineinander übergegangen, z.B. beim Männer-Pilgern, beim Txoko, im Frauengesprächskreis. Auf Familienfreizeiten und an Vater-Kind-Wochenenden wurden Freundschaften geschlossen. Das macht den Übergang in den Ruhestand nicht einfach. Wir freuen uns auf viel (noch) nicht verplante Zeit, aber wir müssen auch „unsere Heimat verlassen“: Unser
geliebtes Haus auf der Taubenstraße und den Stadtteil Bockum. Im Laufe des Sommers werden wir nach Oppum ziehen. Die Arbeit mit all ihren Verpflichtungen hört auf, aber auch die selbstverständliche Begegnung mit vielen Menschen. Wir werden uns ganz neu orientieren müssen.

Mit 66 Jahren verändert sich sehr viel in unserem Leben, aber wir fangen nicht erst jetzt an zu leben! Wir haben hier in Bockum gut gelebt. Wir haben in dieser Gemeinde sehr gern und mit viel Freude und Spaß gearbeitet. Es gab auch Krisen, aber diese haben sich – Gott sei Dank! – auch wieder aufgelöst.

Und so steht am Ende unseres Dienstes als Pfarrerin und Pfarrer hier in Bockum ein großes DANKESCHÖN. Dank an das Presbyterium in seinen unterschiedlichen Zusammensetzungen: Sie haben uns viel Freiheit gegeben, unsere Arbeit zu gestalten. Dank an die Mitarbeitenden: Sie haben uns im Team getragen, und wir haben uns gegenseitig „befruchtet“. Dank an Sie und euch, liebe Mitglieder der Gemeinde, für Kritik und Lob, für viel Wertschätzung und für Ihr und euer Vertrauen! Und – last, but not least – Dank an Gott für seinen Segen, seine Kraft, seinen Geist der Besonnenheit, für Lebensfreude und 1000 gute Erfahrungen!

Anke Brüggemann-Diederichs und Martin Diederichs


Hier der Link zu einem Interview zur Verabschiedung in der RP Krefeld.

  • 28.6.2024
  • Bettina Furchheim
  • Ulrike Jansen