Rekowski: „Kein Mensch sollte seine Heimat verlassen müssen“

Präses erinnert zum Tag des Flüchtlings an Integrationsleistung seit 2015

Düsseldorf. Zum Tag des Flüchtlings 2020 am 2. Oktober spricht der rheinische Präses Manfred Rekowski von einem persönlichen Traum: „Kein Mensch sollte seine Heimat verlassen müssen, nicht deswegen, weil die politische Situation so furchtbar ist, nicht deswegen, weil die existenzielle Not so groß ist, nicht deswegen, weil er die Folgen des Klimawandels spürt, und nicht wegen Gewalt, Krieg oder Terror“, sagt der Vorsitzende der Kammer für Migration und Integration der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in einer Videobotschaft .

Viele Geflüchtete haben die gesellschaftlichen Spielregeln akzeptiert

Rekowski erinnert in Anlehnung an das „Wir schaffen das“-Zitat von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) daran, was die deutsche Gesellschaft, aber auch die geflüchteten Menschen selbst in den fünf Jahren seit 2015 geschafft haben, als das Weltproblem der Flucht Europa und Deutschland plötzlich spürbar nahe rückte. Die Gesellschaft habe damals eine sehr beeindruckende humanitäre Erste Hilfe geleistet – von den Behörden bis zu den ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern. Aber auch viele Geflüchtete seien hier gut angekommen, hätten Arbeit und Freunde gefunden und gelernt, die gesellschaftlichen Spielregeln zu akzeptieren. „Was im Grundgesetz steht, ist nicht verhandelbar. Und diejenigen in unserer Gesellschaft, die das infrage stellen, egal, wo sie herkommen, werden das lernen müssen.“

Einziges Gegenmittel gegen die Polarisierung ist die Begegnung

In der Berichterstattung spielten inzwischen andere Themen wieder eine größere Rolle, so der Präses. Aber das Thema Flucht spalte und polarisiere die Gesellschaft weiter. Das einzige Gegenmittel bleibe die persönliche Begegnung. „Begegnung zwischen Menschen fördert das Verständnis und ermöglicht Annäherungen. Das brauchen wir. So wird der gesellschaftliche Zusammenhalt gefördert.“ Dazu trügen Kirche und Diakonie bis heute sehr viel bei.

Vielfalt als Alltagserfahrung in einer offenen Gesellschaft

Rekowski zeigt sich überzeugt: „Selbst wenn kein einziger geflüchteter Mensch nach Deutschland gekommen wäre, gäbe es trotzdem ein Thema, mit dem wir uns ständig auseinandersetzen müssten: Das ist die Verschiedenheit der Menschen.“ Die Vielfalt der Lebensentwürfe sei eine Alltagserfahrung in einer offenen Gesellschaft. „Und wir müssen lernen, mit Verschiedenheit umzugehen.“ Aus christlicher Sicht sei dabei das Verbindende zwischen den Menschen: „Wir sind alle Ebenbilder Gottes.“

  • 1.10.2020
  • Ekkehard Rüger
  • Marcel Kuß