Erfolgreiche Anhänger-Aktion: „Ich habe im Traum nicht an diese Dimensionen gedacht“

Simone Enthöfer, Landespfarrerin für Missionale Kirche im Zentrum Gemeinde und Kirchenentwicklung der Evangelischen Kirche im Rheinland, hat zu Pfingsten die Aktion „Ich brauche Segen“ ins Leben gerufen. Mit Aufklebern wurden dabei Segensworte an alltäglichen Orten sichtbar gemacht. Im Interview spricht sie über die Neuauflage der Aktion, bei der nun Anhänger an Türen, Toren oder Geschenken Segen spenden sollen.

Wer kann bei der Aktion #IchbraucheSegen mitmachen und woher bekommt man die goldenen Türanhänger?

Simone Enthöfer: Die Aktion lebt davon, dass der Segen durch viele Menschen auf ihren Alltagswegen verteilt wird. Das heißt: Jede und jeder kann mitmachen und Aufkleber oder Türanhänger dort platzieren, wo es erlaubt ist und wo viele Leute vorbeikommen und sich einen Segen als Zuspruch auf ihrem Weg abholen mögen. Die Türanhänger mit und ohne Weihnachtsgrüße kann man Nachbarn, Freunden und Verwandten an die Tür hängen oder irgendwelchen Menschen, denen man etwas Gutes wünscht.  Ich benutze sie darüber hinaus als Geschenkanhänger. Bestellen kann man die Segensanhänger bei den Marburger Medien . [Anmerkung der Redaktion: Die Bestellung ist komplett kostenlos, der Verlag bittet jedoch um eine Spende in Höhe der Aufwandskosten.]

Simone Enthöfer hat die Aktion „Ich brauche Segen“ ins Leben gerufen. Foto: Andre Enthöfer

Die Aktion „Ich brauche Segen“ ist mit Aufklebern kurz vor Pfingsten in diesem Jahr gestartet. Wie hat sich die Aktion entwickelt und wie kam die Idee zustande, sie zur Adventszeit hin neu aufzulegen?

Enthöfer: Der Mensch denkt und Gott lenkt. Als ich die Idee zu einer solchen Aktion im ersten Lockdown hatte, habe ich nicht im Traum an die Dimensionen gedacht, die diese Aktion inzwischen erreicht hat. Überlegt hatte ich, ob ich eine Gemeinde finde, die so etwas ausprobieren möchte, vielleicht einen Kirchenkreis. Inzwischen bekomme ich Rückmeldungen aus dem ganzen Bundesgebiet, aus Österreich, der Schweiz und den Niederlanden. Und ein Aufkleber hängt wohl irgendwo in Schweden. Schön finde ich, dass sich viele Gemeinden mit besonderen Aktionen beteiligen und zum Beispiel Segensgottesdienste machen, aus denen Leute Aufkleber und Plakate mitnehmen und verteilen. Es gab viele Rückmeldungen mit Bitten, noch weitere Segenssprüche auf der Webseite segen.jetzt aufzunehmen und wir dachten, besonders die dunkle Jahreszeit verträgt viele Segensorte, die durch das leuchtende Golddesign weihnachtlich anmuten. Außerdem feiern wir an Weihnachten, dass Gott in besonderer Weise den Menschen nahekommt – mitten in ihre dunkle Lebenswelt hinein. Die Segensorte sollen genau auch das vermitteln: Gottes Zuspruch – sein Trost, seine Hoffnungsbotschaft kommen auch heute noch mitten in die Alltagswelt der Menschen hinein.

Die Anhänger können überall aufgehängt werden, wo es erlaubt ist. Diesen Anhänger haben wir nach dem Fotografieren wieder entfernt.

Auch in den sozialen Netzwerken gab und gibt es viel Lob für Bilder und Videos der goldenen Sticker und nun Türhänger, die auch die rheinische Kirche unter #IchbraucheSegen auf Facebook und Instagram geteilt hat. Waren Sie überrascht davon, dass die Aktion analog und digital so ein Erfolg geworden ist?

Enthöfer: Ja, es freut mich ungemein. Und auch wenn ich die Anstoßidee geliefert habe, so wächst es doch immer mehr zu einer Gemeinschaftsaktion vieler. In der Initiativgruppe ist so eine geschwisterliche ökumenisch-bunte Zusammenarbeit entstanden. Aus Fremden sind Freunde geworden. Darüber hinaus fühlen wir uns verbunden mit allen, die sich beteiligen. Es ist längst nicht mehr meine oder deine Aktion. Es ist unsere als Kirche Jesu Christi, in der es nicht darum geht, ob wir Einzelne evangelisch oder katholisch, landes- oder freikirchlich sind, der Caritas oder der Diakonie, einem Werk oder Verband angehören. Es ist ein gemeinsames Bekenntnis zu einer Bedürftigkeit in düsteren Zeiten: „Ich brauche Segen“. Vielleicht ermutigt das auch andere Menschen darüber nachzudenken und sich eine eigene Bedürftigkeit einzugestehen.

  • 8.11.2021
  • Aaron Clamann
  • Aaron Clamann