Ukraine-Krieg: Partnerkirchen weltweit äußern ihre Sorge und beten für Frieden

Nach dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine erreichen uns immer mehr Stimmen aus unseren ökumenischen Partnerkirchen. Es sind Berichte von tiefer Sorge, Betroffenheit und großem Leid. Eine Auswahl der zahlreichen Stimmen:

Aktualisiert: 31. März 2022, 13:15 Uhr

Stellungnahme der EKD-Kirchenkonferenz zum Krieg in der Ukraine: „Wir sprechen allen Menschen, die in der Ukraine und angrenzenden Ländern von der unfassbaren Gewalt des vom russischen Staatspräsidenten begonnenen Krieges betroffen sind, unsere Achtung und unser tiefes Mitgefühl aus. Dass Menschen – Soldaten wie Zivilbevölkerung – für politische und militärische Ziele instrumentalisiert, verletzt und getötet werden, verurteilen wir auf das Schärfste. Wir bewundern den Mut der ukrainischen Zivilgesellschaft und nehmen ihn angesichts unserer komfortablen Situation in Deutschland mit einem Gefühl der Beschämung zur Kenntnis. Mit Respekt und voller Dankbarkeit blicken wir auf die große Hilfsbereitschaft, die sich in der Ukraine, den angrenzenden Ländern und auch bei uns in Deutschland zeigt. Wir werden alles in unserer Möglichkeit Stehende tun, um die Menschen in der Ukraine und Geflüchtete zu unterstützen. Dazu zählt die Fürbitte genauso wie die Seelsorge an Traumatisierten, der Einsatz für besonders verletzliche Menschen und alle Unterstützung für diplomatische und nichtmilitärische Wege. Auf der Grundlage des Evangeliums von Jesus Christus sind wir zutiefst davon überzeugt, dass Frieden letztlich nicht mit Waffengewalt zu schaffen ist. Frieden ist mehr als die Abwesenheit von Krieg. Ohne Vertrauen, Gerechtigkeit und persönliche Kontakte zwischen Menschen aller Völker ist Frieden nicht möglich. Dennoch sehen wir das Dilemma verschiedener Optionen zwischen dem grundsätzlichen Wunsch nach einer gewaltfreien Konfliktlösung und dem Impuls, angesichts eines Aggressors, der auf brutale Weise geltendes Völkerrecht missachtet und Kriegsverbrechen begeht, die Ukraine mit Waffen zu unterstützen. Unbestritten ist das Selbstverteidigungsrecht der Ukraine im Blick auf die gegen sie gerichteten Aggressionen. Wir rufen die russische Führung auf, die Gewalt zu beenden. Wir sehen mit ohnmächtigen Gefühlen auf den Kriegstreiber und unterstützen die Bemühungen der Politik, ihm wirksam entgegenzutreten. Wir selbst können viel für die Menschlichkeit tun. Dazu gehört es, geflüchtete Menschen aufzunehmen und in unserer Gesellschaft keine Spaltung zwischen verschiedenen Gruppen von Geflüchteten entstehen zu lassen. Das Recht auf Zuflucht an einem sicheren Ort ist nicht teilbar. Wir dürfen über die große Hilfs- und Spendenbereitschaft für die Ukraine nicht andere Kriegsregionen vergessen. Eine solche Verlagerung der Hilfsbereitschaft läuft auf Dauer Gefahr, als Folge des Krieges in der Ukraine Konflikte in anderen Weltgegenden zu verursachen und Menschen sterben zu lassen. Humanität ist nicht teilbar. Humanität stiftet Frieden. Wir bitten die Bundesregierung mit Nachdruck, von der beabsichtigten Kürzung der Mittel für Entwicklungshilfe abzusehen.

Innerhalb der Russisch-Orthodoxen Kirche nehmen wir eine deutliche Mehrstimmigkeit wahr. Von Beginn an gab es auch in deren Reihen Voten gegen die Kriegshandlungen, insbesondere in der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats. Wir würdigen den Mut vieler orthodoxer Priester in Russland, die sich in einer Unterschriftenaktion gegen den Krieg und die Position ihrer Kirchenleitung geäußert haben. Als Friedensstifter haben sie viel riskiert und sich in große Gefahr begeben. Umso wichtiger ist es uns, einer pauschalen Wahrnehmung der russischen Orthodoxie und deren Einordnung in ein uniformes Feindbild von Russland entschieden entgegenzuwirken. Angesichts der Mehrstimmigkeit der russischen Orthodoxie hoffen wir, dass es möglich ist, Brücken des Dialogs aufrechtzuerhalten. Sie können Wege eröffnen, die für einen Friedensprozess von großer Bedeutung sein können. Für eine langfristige und tragfähige Perspektive ist es entscheidend, kulturelle, wirtschaftliche und menschliche Kontakte zu halten. Die Zivilgesellschaft in Russland ist auf unsere Unterstützung angewiesen. Ebenso wichtig ist es, den gesellschaftlichen Zusammenhalt bei uns zu fördern. Es darf sich kein Hass gegen Menschen russischer Abstammung bei uns ausbreiten. Eine künftige Friedensordnung braucht mehr als militärische Gewalt und Abschreckung: sie braucht globale Gerechtigkeit, sie braucht Klimagerechtigkeit, sie braucht eine verbindliche Rechtsordnung, die die Zivilgesellschaft stärkt, die Menschenrechte sichert und auch für Großmächte gilt. Hass und Gewalt dürfen nicht das letzte Wort haben. Das letzte Wort hat der Frieden. Christus ist unser Friede.“

Botschaft der Kirchenkreise An Nahe und Glan und Rubengera in Ruanda: „Als Partnerinnen und Partner aus den beiden Kirchenkreisen Rubengera in Ruanda und Nahe und Glan in Deutschland, sind wir schockiert angesichts der kriegerischen Aggression, die eine neue Dimension angenommen hat. Jeder Krieg in der Welt bedeutet eine Katastrophe für diejenigen, die unter den Gewaltakten leiden. Krieg darf nach Gottes Willen nicht sein“, heißt es in der gemeinsamen Botschaft, die vom Synodalen Fachausschuss Ruanda, dem Träger der Partnerschaft, veröffentlicht wurde. Die Menschen in Rubengera und in der Nahe-Region verbinden ihre gemeinsame Botschaft mit einem Friedensappell und einem Ruf zum Gebet. Die Motivation zu dem Friedensappell und Gebetsruf entspringe nicht nur der Tatsache, dass der Krieg in der Ukraine schon fast im Zentrum Europas angekommen sei, erklären die Kirchenkreise die deutsche Sichtweise. Es sei eher die Furcht vor einem weltweiten Krieg, der zudem mit einer nuklearen Bedrohung den Frieden in der Welt in Frage stelle. „Mit zahlreichen christlichen und internationalen Organisationen rufen wir zum Frieden auf und zur Solidarität mit der Ukraine“, formulieren die Christinnen und Christen über Kontinente hinweg ihr Anliegen. Das Partnerschaftskomitee in Rubengera fügt einen Aspekt aus ruandischer Sicht hinzu. Danach sei es undenkbar, dass in der heutigen Zeit die Souveränität eines unabhängigen Staates von einem anderen Staat bedroht werde. Dies geschehe jetzt vor den Augen der internationalen Gemeinschaft, die angesichts eines solch niederträchtigen Aktes machtlos sei. „Wir Ruander, die den Krieg und Genozid im Jahr 1994 erlebt haben, wir wissen nur zu gut, wie viel Leid eine solche Situation für die betroffenen Völker bedeutet“, schildern die Partnerinnen und Partner in dem afrikanischen Land ihre Empfindungen in der Rückschau auf das eigene Schicksal. „Wir beten vor allem für ein Ende des Krieges und für eine friedliche Lösung der bestehenden Konflikte.“ „Entsetzt und betroffen über den brutalen Krieg in der Ukraine“, zeigten sich Superintendentin Astrid Peekhaus und ihr ruandischer Kollege, Pastor Prince Karangwa. „Wir verurteilen Gewalt und setzen uns für ein friedliches Miteinander der Menschen über alle Grenzen hinweg ein“, unterstreicht Astrid Peekhaus.

Gemeinsames Wort der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) unter Beteiligung von Landeskirchenrat Pfarrer Markus Schaefer:  „Die Mitgliederversammlung der ACK in Deutschland verurteilt die völkerrechtswidrige Invasion und den Krieg in der Ukraine. Wer Krieg und Leid verbreitet, widerspricht dem Bekenntnis zu Jesus Christus. Solche Gewalt ist durch nichts zu rechtfertigen. Die Botschaft Jesu Christi ist für uns alle verbindlich: ,Selig, die Frieden stiften'(Mt 5,9). Wir rufen alle Geschwister im Glauben dazu auf, in dem uns verbindenen Geist Jesu Christi Zeugnis für Gerechtigkeit, Frieden und Versöhnung zu geben. Keine christliche Kirchenleitung darf das Evangelium Jesu Christi im Streit um politische Interessen missbrauchen. Wir nehmen bestürzt zur Kenntnis, dass dies geschieht. Wir klagen mit den Leidtragenden und trauern um die Opfer des Krieges in der Ukraine. Wir wenden uns zugleich gegen jede Stigmatisierung von Menschen russischer Herkunft und Angriffe gegen sie und ihre Gotteshäuser. Als Kirchen, die weltweit miteinander verbunden sind, haben wir gelernt, scheinbar unüberbrückbare Unterschiede zu benennen und einander zu respektieren. Wir wollen auch weiterhin unseren Beitrag auf der Ebene ökumenischer Konsultationen zur nachhaltigen Förderung des Friedens leisten. Wir sind dankbar für die große Hilfsbereitschaft in Deutschland und weltweit – unabhängig von Religions- und Konfessionszugehörigkeit. Wir freuen uns insbesondere darüber, dass viele Projekte in ökumenischer Gemeinschaft gestaltet werden. Im Gebet finden unsere christlichen Stimmen zueinander. Wir bitten um Geisteskraft und Ideenreichtum für die Verantwortlichen zur Versöhnung. Wir vertrauen auf die Kraft des Gebets für den Frieden. Wir rufen alle Kriegstreibenden zur Umkehr. Der Krieg muss sofort beendet werden! Wir bekennen Jesus Christus. Er ist unser Friede (Eph 2,14).“

Der Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Landesbischof Ralf Meister, und der Leitende Bischof der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen, Bischof Jerzy Samiec, äußern sich gemeinsam: „Der durch nichts berechtigte Angriff Russlands auf die Ukraine ist eine Tragödie und eine klare Verletzung des Völkerrechts. Gott ist ein Freund des Lebens und widersteht dem Bösen, das sich im menschlichen Handeln zeigt. Wir sehen die Kirchen in Europa und weltweit in der Pflicht, über ihre konfessionellen und regionalen Unterschiede hinweg mit einer Stimme zu sprechen und so ihren Beitrag für Frieden und Versöhnung zu leisten. Darin besteht der unschätzbare Wert der über Jahrzehnte gewachsenen ökumenischen Beziehungen. Menschenverachtende Positionen oder solche, die die Gewalt fördern oder sie religiös verklären, anstatt sie zu beenden, missachten den Kern des christlichen Glaubens und stehen gegen das Evangelium. Sie sind nicht zuletzt auch ein Schaden für die Ökumene. In den totalitären Systemen des 20. Jahrhunderts – im Nationalsozialismus, Kommunismus, im Apartheid-System – hat die Kirche zu oft geschwiegen oder sich mit der theologischen Rechtfertigung von Gewalt, Krieg und Verfolgung auf die Seite des Bösen gestellt. Wir sind überzeugt, dass die religiöse Rechtfertigung eines Krieges falsch ist. Deshalb appellieren wir an das Oberhaupt der Russisch-Orthodoxen Kirche, er möge auf die Stimmen seiner Kirche hören, die sich für Versöhnung einsetzen, und entschlossen Frieden und Liebe säen, die höher sind als menschliche Machtträume. Wir sind dankbar für die überwältigende Solidarität und Unterstützung, die die Menschen aus der Ukraine erfahren – in Polen, dem Land, das bisher die meisten Geflüchteten aufgenommen hat, in Deutschland und anderen Ländern Osteuropas. Wir appellieren an die politisch Verantwortlichen, in ihrem Bemühen um diplomatische Lösungen nicht nachzulassen. Der Gewalteskalation darf nicht mit weiteren Eskalationen begegnet werden. Das Handeln aller, die in Politik, Wirtschaft und in den Kirchen Verantwortung tragen, muss darauf zielen, Frieden, dauerhafte Stabilität und Sicherheit wieder herzustellen und weiteres Leid und sinnlose Gewalt zu vermeiden. Mit den Menschen in der Ukraine, in Polen und in den Anrainerstaaten und den Menschen in Russland, die sich mutig gegen den Krieg stellen, sind wir im Gebet verbunden. Wir bringen unsere Klage und unsere Bitten vor Gott und vertrauen auf seine Treue: ‚Der Herr ist treu; der wird euch stärken und bewahren vor dem Bösen.‘ (2. Thessalonicher 3,3).“

Stellungnahme der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland: „Krieg kann und darf kein Mittel der Durchsetzung politischer Ziele sein! Als orthodoxe Bischöfe in Deutschland verurteilen wir die Invasion und den völkerrechtswidrigen Krieg in der Ukraine und rufen zu Frieden und Verständigung auf. Wir unterstützen den Aufruf der Bischöfe in der Ukraine und der russischen Bischöfe in Deutschland in ihrem Appell zu Gebet und zu tätiger Hilfe für die Menschen in der Ukraine und für die Flüchtlinge. Wir bitten alle orthodoxen Gläubigen in Deutschland, für die Einheit unserer Kirchengemeinden und Diözesen in Deutschland einzustehen.Wir danken allen privaten Initiativen und staatlichen Stellen, die den ukrainischen Notleidenden und Flüchtlingen helfen. Friede allen!“

Georgios Basioudis, Vertreter der griechisch-orthodoxen Kirche bei der ACK Südwest, schreibt in einem Brief über die Haltung des Patriarchen Kyrill: Den Brief finden Sie hier.

Vereinte Evangelische Mission (VEM): „Mit Bestürzung und großer Sorge sehen wir den russischen Einmarsch in das Gebiet der Ukraine. Mit Trauer beklagen wir das Blutvergießen, die Verluste an Menschenleben, das Leiden der Menschen und die humanitäre Krise angesichts Hunderttausender Flüchtlinge, die dieser Krieg verursacht. Mit Furcht sehen wir das zunehmende Risiko für weitere, unkalkulierbare Eskalationen dieses Konflikts, bei dem bereits nukleare Drohungen im Raum stehen. Aus unseren drei Regionen erreichen uns Gebetsaufrufe und Botschaften tiefer Besorgnis. Wir rufen Sie alle auf, in Ihren Kirchen und Gemeinden für den Frieden in der Ukraine, in Europa und in der Welt und für alle Menschen zu beten, die unter dieser Krise leiden, insbesondere für die Bevölkerung in der Ukraine (…). Wir verurteilen diese eklatante Verletzung des Völkerrechts, das am 26. Juni 1945 nach dem Zweiten Weltkrieg, der durch den Überfall Deutschlands auf Polen am 1. September 1939 begann, in Kraft getreten ist.(…) Als Christen glauben wir, dass Gott kein Gott des Krieges ist, sondern „ein Gott des Friedens“ (1. Korinther 14,33). Durch seinen Sohn Jesus Christus hat er sich uns als ein Gott der Liebe und des Friedens offenbart und hat uns aufgerufen, in Frieden miteinander zu leben. (2. Korinther 13,11). In diesen besorgniserregenden Zeiten steht die VEM als Gemeinschaft von Kirchen in drei Kontinenten in unserem gemeinsamen Auftrag zusammen und strebt nach Gerechtigkeit und Frieden. Mit der gesamten ökumenischen Familie, wie sie in der Erklärung des Ökumenischen Rates der Kirchen zum Ausdruck kommt, appellieren wir an Präsident Putin, diesen Krieg zu beenden und den Frieden für das Volk und die Nation der Ukraine wiederherzustellen. Wir unterstützen alle Bemühungen unserer ökumenischen Partner und des Ökumenischen Rates der Kirchen, den Opfern dieses Krieges zu helfen und sie zu unterstützen und sich mit allen diplomatischen Mitteln und friedensstiftenden Maßnahmen für den Frieden einzusetzen, die die tödlichen Kämpfe und das Blutvergießen sofort beenden und eine weitere äußerst gefährliche und tödliche Eskalation dieses Konflikts verhindern könnten.Die komplette Botschaft der VEM lesen Sie hier.

Polnischer Ökumenischer Rat, Warschau: „Als Mitgliedskirchen des Polnischen Ökumenischen Rats sind wir von dem Kriegsausbruch im Osten Europa entsetzt. Raketen fallen, Bomben explodieren. Es sterben Soldaten, Zivilisten und Kinder. Ausländer und Ukrainer versuchen verzweifelt zu entkommen. Wir können mit eigenen Augen sehen, wie brüchig der Frieden ist. Wir verurteilen unmissverständlich die Aggression Russlands gegen die souveräne Ukraine. So wie Christus gekommen ist, um der ganzen Welt Frieden zu verkünden, so sind auch wir als seine Jünger aufgerufen, unsere Nächsten zu lieben. Christus selbst stellt uns die Aufgabe, Menschen des Friedens zu sein. Wir sind selig, wenn wir Frieden stiften. Wir fordern unsere Schwesterkirchen in Russland auf, sich für die Beendigung des Krieges einzusetzen. Wir rufen die internationale Gemeinschaft auf, alles zu tun, was in ihrer Macht steht, um Lösungen zu finden, die zu einer Aussetzung der Kriegshandlungen und zu einer Aussöhnung zwischen den betroffenen Parteien führen.  Als Kirchen wollen wir in dieser Situation aktiv helfen und diejenigen unterstützen, dies es brauchen. Deswegen wenden wir uns an alle Menschen guten Willens mit einem Appell um aktive Beteiligung an Hilfsprojekten. Wir öffnen unsere Gemeinden auch, um Geflüchteten aus der Ukraine zu helfen. (…) Wir bitten darum, dass in den kommenden Tagen und Wochen in allen unseren Kirchengemeinden während der Gottesdienste inständig für den Frieden in der Ukraine und in der Welt gebetet wird. (…) Wir bekunden unsere Solidarität mit den Menschen und den christlichen Kirchen in der Ukraine. ,Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.‘ (Matthäusevangelium 5,9).“

„Ansprache an die Gläubigen und an die Bevölkerung der Ukraine“ des Metropoliten Onufry von Kiew und der Ukraine: „In dieser tragischen Zeit drücken wir unsere besondere Liebe und Unterstützung für unsere Soldatinnen und Soldaten aus, die Wache stehen und unser Land und unsere Bevölkerung schützen und verteidigen. (…) Herr Putin, ich fordere ein sofortiges Ende dieses ,Bruderkriegs‘. (…) Der Krieg zwischen diesen Völkern ist eine Wiederholung der Sünde Kains, der seinen eigenen Bruder aus Eifersucht tötete. (…) Ein solcher Krieg ist nicht zu rechtfertigen, weder vor Gott noch vor den Menschen. (…) Ich appelliere an den gesunden Menschenverstand aller Beteiligten, der uns lehrt, unsere irdischen Probleme in gegenseitigem Dialog und Verständnis zu lösen, und ich hoffe aufrichtig, dass Gott uns unsere Sünden vergeben und sein Friede sich in unserem Land und in der Welt durchsetzen wird!“ Mehr zur Ansprache lesen Sie hier.

Der Ukrainische Rat der Kirchen fordert den russischen Präsidenten Wladimir Putin in einem Brief auf, den Krieg zu beenden: „Wir bezeugen einstimmig, dass das ukrainische Volk keinen Krieg sucht, und wir betrachten es als eine gemeinsame Pflicht der Gläubigen, ihn zu beenden, bevor es zu spät ist. Das Gebot ,Du sollst nicht töten‘ definiert den absoluten Wert des menschlichen Lebens. (…) Ein Angriffskrieg ist ein großes Verbrechen gegen den Allmächtigen Gott. (…) Der einzige Weg, den Konflikt zu beseitigen, ist der Dialog. Wir laden Sie zu einem solchen friedensstiftenden Dialog ein. Der Ukrainische Rat der Kirchen mit seinen religiösen Organisationen ist bereit, so viel wie möglich zu einem solchen Dialog beizutragen und alle notwendigen Anstrengungen zu unternehmen, um Wege zu finden, die zu einer Entspannung zwischen unseren Staaten führen und zur Wiederherstellung des Friedens beitragen können. Heute beten wir zu Gott mit der besonderen Bitte um Weisheit für diejenigen, die befugt sind, Entscheidungen zu treffen, die bedeutsam für die ganze Welt sind. (…) Dies gilt in erster Linie für Sie, Herr Putin.“ Den ganzen Brief des Ukrainischen Rats der Kirche lesen Sie hier (auf Englisch).

Aufruf zum Frieden in der Ukraine des Ökumenischen Patriarchen Bartholomäus: „Wir sind aufgerufen, von ganzem Herzen für die Bewahrung des Friedens in der Ukraine zu beten. Der Krieg in Europa, der aus der Eskalation der gewalttätigen Rhetorik und der Militarisierung der Grenzen zwischen Russland und der Ukraine resultiert, ist eindeutig abzulehnen. Wir fordern dauerhaften Frieden, Stabilität und Gerechtigkeit in der Region. Wir alle haben die Pflicht, für eine friedliche Lösung von Konfliktsituationen und für die bedingungslose Achtung und den Schutz der Menschenrechte und Menschenwürde zu beten und aktiv dazu beizutragen. Menschliche Konflikte mögen in dieser gefallenen und zerbrochenen Welt sehr wohl unvermeidlich sein; aber Krieg und Gewalt sind sicherlich mit jeder Faser unseres Wesens abzulehnen. (…) Wir sind fest davon überzeugt, dass Frieden nicht ohne Dialog garantiert werden kann. Dieser Dialog muss die Gründe, die zu Gewalt und Krieg führen, beseitigen. Frieden entsteht durch gegenseitigen Respekt und Zusammenarbeit. In einem Umfeld wachsender Unsicherheit in Bezug auf menschliche Angelegenheiten muss das Wort der Kirche eine klare Botschaft der Versöhnung und des Friedens, der Liebe und Gerechtigkeit, der Brüderlichkeit und Solidarität sein. Wir rufen alle Beteiligten auf, diesen Weg des Dialogs und der Achtung des Völkerrechts fortzusetzen, um den Konflikt zu beenden und allen Ukrainern ein harmonisches Zusammenleben zu ermöglichen.“ Den kompletten Aufruf zum Frieden des Ökumenischen Patriarchen Bartholomäus lesen sie hier (auf Englisch).

Appell der Russischen Union Evangelisch-Christlicher Baptisten zur Situation in der Ukraine: „Mit Blick auf die verschärfte Lage in der Ukraine rufen wir alle Kirchen der Russischen Union Evangelisch-Christlicher Baptisten auf, ihre Gebete für die baldige Wiederherstellung eines friedlichen Lebens zu intensivieren. Das Volk Gottes ist dazu berufen, Friedensstifter zu sein und brüderliche Liebe zu bringen, wie es in der Bibel geschrieben steht: ,Selig sind die Friedensstifter, denn sie werden Söhne Gottes heißen‘. (Mt 5,9) Wir laden Sie ein, sich im Gebet zu vereinen: (1) Für Gottes Frieden auf Erden und das vollkommene Vertrauen auf Gott. (2) Für Gottes Willen bei wichtigen Entscheidungen, von denen das Schicksal vieler Menschen abhängt. (3) Für eine friedliche und schnelle Lösung des Konflikts. (4) Für den Schutz aller Menschen im Kriegsgebiet. Wir rufen die Kirchen auf, sich Barmherzigkeit zu zeigen, indem sie allen Bedürftigen humanitäre Hilfe leisten.“ Den gesamten der Russischen Union Evangelisch-Christlicher Baptisten lesen Sie hier (auf Englisch).

Bischof Neophytos von Nyeri und Mount Kenia, Afrikanische Orthodoxe Kirche von Kenia: „Es ist absolut unmoralisch, illegal, inakzeptabel und unmenschlich von Russland, einen Krieg zu inszenieren, der unschuldige Leben kostet, einzig und allein aus egoistischen Interessen. Es schmerzt und tut mir weh, wenn ich höre, wie Kinder aus vollem Herzen ums Überleben schreien. (…) Wir beten für die Ukraine. Das Land und seine Bewohner brauchen unsere unaufhörlichen Gebete. Herr, erbarme dich.“

Aus Moskau schreibt Dietrich Borissowitsch Brauer, Bischof der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland (ELKER) und Erzbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Russland (ELKR): „Ich bin zutiefst besorgt darüber, was sich um mein Land abspielt. Und ich bin nicht weniger verwirrt über den Stand der Beziehungen zwischen Ländern und Völkern, die mir gleichermaßen am Herzen liegen, verwandt und lieb sind. In diesem Moment verstummt alles in mir und an die Stelle tritt nur eines:  Herr, erbarme dich! Bewahre uns vor politischer Willkür, vor der Macht des Bösen und vor Blutvergießen. Bewahre uns trotz aller Spannungen in der Einheit deines Geistes.“

Aus Beregszász in der West-Ukraine schreibt der Bischof der ungarisch-reformierten Kirche, Sándor Zán Fábián: „Das erste Opfer des Krieges war vor acht Jahren ein ungarisch-reformierter Soldat. Unsere Gemeinden sind weit weg von dem Krieg im Donbas – aber doch müssen unsere jungen Leute als Soldaten dorthin. Im Westen der Ukraine sind wir auch dadurch sehr betroffen. Wir erleben einen Exodus der jungen Bevölkerung der ungarischsprachigen Gemeinden. Wir haben viele Mitglieder verloren, die nach Westen gezogen sind, weil sie nicht Teil des Krieges werden wollen. Unsere Gemeinden in dieser armen Region in Europa bluten aus. Unsere Bitte an den allmächtigen Gott, unsern Herrn, ist es, dass die ostslawischen Völker sich als brüderliche Völker annehmen und miteinander in Frieden leben. Das ist für uns und andere in der Diaspora lebende Völker existenziell wichtig. Wir sind als ungarische Minderheit bedroht in dieser gefährlichen Situation. Es treibt alle, die es können, aus dem Land. Betet für die vielen verschiedenen Nationalitäten in der Ukraine. Betet insbesondere für die slawische Bevölkerung, dass sie in Frieden lebt.“

Matthias Lasi, Pfarrer der deutschen evangelisch-lutherischen Gemeinde St. Katharina in Kiew, schrieb kurz vor dem Ausbruch: „Viele Menschen in Kiew haben Angst, aber man ist es gewohnt, mit Unsicherheit und Angst zu leben. Daher geht das tägliche Leben weiter wie gewohnt. Wer kann, bereitet sich jedoch auf den Ernstfall vor: Erspartes wird in Euro umgetauscht, ein Notfallkoffer ist gepackt und Vorräte werden angelegt, um ein paar Tage überbrücken zu können. Wir hoffen und beten alle, dass die Diplomatie erfolgreich einen Ausgleich finden wird. Für manche unserer Gemeindemitglieder ist die Situation besonders schwer, da sie sich erst vor wenigen Tagen große Sorgen um ihre Verwandten in Kasachstan machten. Auch haben viele Familien Angehörige in Russland. Aus dieser für uns alle sehr belastenden Situation danke ich allen, dass Sie an uns und an unsere Geschwister in Russland denken.“

Aus dem russischen Samara an der Wolga schreibt Olga Temirbulatowa, Pröpstin der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland (ELKER): „Die Eskalation des Konfliktes macht uns große Sorgen. Leidtragend sind bei alledem die einfachen Menschen – schon jetzt leiden sie unter den Spannungen und spüren das auch an steigenden Preisen. Als Christen teilen wir die Besorgnis über die aktuelle Situation mit allen friedliebenden Menschen und beten, dass die Spannungen zwischen Russland und dem Westen eine friedliche Lösung finden.“

Die Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen (WGRK), der Lutherische Weltbund (LWB),  die Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) und der Weltrat Methodistischer Kirchen (WMK) verurteilen den Vormarsch des russischen Militärs in die Ukraine und den Angriff aufs Schärfste. Am Aschermittwoch, 2. März, laden sie um 17 Uhr zu einem Online-Gebetsgottesdienst ein. Der Gottesdienst wird Christinnen und Christen aus der Ukraine und anderen Teilen der Welt zusammenbringen, die für Frieden und ein Ende des anhaltenden Konflikts beten. Hier können Sie sich für den Online-Friedensdienst anmelden . Folgende Stimmen kommen aus den vier christlichen Kirchengemeinschaften:

Anne Burghardt, Generalsekretärin des Lutherischen Weltbunds (LWB): „Jesus ruft uns auf, Botschafterinnen und Botschafter der Hoffnung zu sein, die sich für den Frieden einsetzen. Als christliche Kirchen rufen wir daher zu einer sofortigen Deeskalation dieses Konflikts auf, damit das Leben, die Menschenrechte und die Würde der Menschen in der Ukraine geschützt werden.“

Gemeinschaftliches Generalsekretariat (bestehend aus Hanns Lessing, Philip Peacock und Phil Tanis) der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen (WGRK): „Da die Heilige Schrift uns ermutigt, das Böse zu meiden und das Gute zu tun, den Frieden zu suchen und ihm nachzujagen (1. Petrus 3,11), betrachten wir einen solchen unprovozierten Angriff als etwas Böses und bemühen uns, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um uns dagegen zu wehren – während wir uns gleichzeitig darauf vorbereiten, denjenigen zu helfen, die davon betroffen sind.“

Jørgen Skov Sørensen, Generalsekretär der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK): „Dies ist eine Zeit, in der die Kirchen in Europa und weltweit ein starkes Bündnis der Solidarität mit den Menschen bilden sollten, die die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine fürchten. Es ist an der Zeit, sich im Gebet für die Menschen zu versammeln, die die Macht haben, Entscheidungen zu treffen, die Leben retten und Frieden möglich machen.“

Ivan Abrahams, Generalsekretär des Weltrats Methodistischer Kirchen (WMK): „Trotz der Geschehnisse in der Ukraine glaube ich immer noch, dass die internationale Gemeinschaft etwas bewirken kann, wenn wir uns gemeinsam für den Frieden in der Region einsetzen.“

Erklärung der Arbeitsgruppe „Christliche Vision“ des Koordinierungsrates für Belarus zur Aggression Russlands gegen die Ukraine: „Wir, Priester, TheologInnen und aktive Laien der orthodoxen, römisch-katholischen, griechisch-katholischen, anglikanischen und evangelischen Kirche, verurteilen aufs Schärfste die Aggression des Putin-Regimes gegen die Ukraine. Im Namen Jesu Christi rufen wir dazu auf, den Angriff und die militärische Aggression zu stoppen! Wir sind empört über das verfassungswidrige Vorgehen des Lukaschenko-Regimes, das Territorium der Republik Belarus der ausländischen Armee zur Durchführung von Aggressionen gegen ein anderes Land zur Verfügung zu stellen. Wir fordern den sofortigen Rückzug der russischen Truppen aus dem Territorium von Belarus und das Ergreifen aller Maßnahmen, um die Beteiligung des belarussischen Militärpersonals an der Aggression zu verhindern. (…) Christus sagte: ,Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.‘ (…) Wir beten zusammen mit den Christen der Ukraine für die baldige Wiederherstellung des Friedens. Wir beten für all die unschuldigen Menschen, die gestorben sind. (…) Wir rufen die weltweite christliche Gemeinschaft zu Gebet und Solidarität auf und zur Unterstützung friedensstiftender Bemühungen, um die militärische Aggression zu beenden.“

  • 23.3.2022
  • Andreas Attinger
  • Red