Experimentierfreude und Innovation in der rheinischen Kirche

Die ersten zehn Erprobungsräume werden jetzt gefördert

Düsseldorf/Wuppertal. Die Evangelische Kirche im Rheinland hat zehn Initiativen als Erprobungsräume anerkannt. In der ersten Bewerbungsphase des Projekts hatten sich 17 unterschiedliche Teams mit ihren Ideen um eine Förderung der Landeskirche beworben. Die Gründerinnen und Gründer werden für einen bestimmten Zeitraum finanziell, fachlich und beratend gefördert und die Erfahrungen evaluiert. Die rheinische Kirche möchte mithilfe von Erprobungsräumen für die Kirche der Zukunft lernen.

Die ersten zehn Erprobungsräume

Als erste Erprobungsräume fördert die Evangelische Kirche im Rheinland die folgenden Initiativen:

  • „die EisHeiligen“, ein urbanes Familienkloster in Köln-Ehrenfeld,
  • die Initiative „die dorf.kirche düsseldorf“, eine sozialraumorientierte Gemeindegründung in Düsseldorf-Benrath,
  • die Kirchengemeinde Solingen-Widdert bei der Erprobung einer ehrenamtlich verantworteten Ortsgemeinde mit geringer pastoraler Versorgung,
  • die Weiterentwicklung der ehrenamtlich verantworteten Initiative freiraum+ als Familiengemeinde innerhalb der Kirchengemeinde Solingen-Rupelrath,
  • die Weiterentwicklung und gesamtkirchliche Verortung der Initiative Ökumenische Segensfeiern an der Lebenswende Geburt, ein Kooperationsprojekt von evangelischem Kirchenkreis Essen und katholischem Bistum Essen,
  • die Erprobung von Formaten der Kinderpartizipation in der Kindergemeinde kidscom in Cochem,
  • die Gründung einer internationalen Gemeinde im Kirchenkreis an Nahe und Glan,
  • die nachhaltige Verortung in kirchlichen Strukturen der Initiative beymeister in Köln-Mülheim,
  • die Erprobung der virtuellen Gemeinde Lorenz*Space an der Schnittstelle zur Kirchengemeinde Schafbrücke bei Saarbrücken,
  • die Erprobung des Kirchenkreises Niederberg als gemeinwesenorientierte Kirche in der Region.

Detailinformationen zu den einzelnen Projekten

Förderung des nächsten Innovationsschritts

Die nun offiziell als Erprobungsraum anerkannten Initiativen sind vielfältig. Gemeinsam ist ihnen neben der formalen Erfüllung der sieben Kennzeichen für Erprobungsräume , dass in ihnen mit Mut und Kreativität erprobt wird, wie Kirche auf den jeweiligen Kontext bezogen neu Gestalt gewinnen kann. Gefördert wird individuell der nächste Innovationsschritt. So werden im Erprobungsraum „die.dorf.kirche düsseldorf“ beispielsweise für drei Jahre 50 Prozent der Personalkosten eines jungen Pioniers, also einer Person die Leidenschaft und Mut hat, Kirche, Mission und Gesellschaft zu verändern und bereit ist, dafür auch ungewöhnliche Wege zu gehen, gefördert und eine enge Begleitung sichergestellt, um eine sozialraumorientierte Pioniergemeindegründung in Düsseldorf-Benrath zu initiieren. Hingegen wird die bereits am Standort Köln-Mülheim etablierte Initiative „beymeister“ in der nachhaltigen strukturellen und finanziellen Verortung in kirchlichen Strukturen, konkret im Kirchenkreis, unterstützt.

Neue Ideen verändern die Kirche

Auch Präses Manfred Rekowski ist beeindruckt von den geförderten Erprobungsräumen, die von internationalen, über gemeinwesenorientierte bis zu virtuellen Gemeinden reichen: „Diese Vielfalt und Experimentierfreude in unserer Kirche zeigen, dass wir eine veränderungsbereite Kirche sind. Ich wünsche den von der Evangelischen Kirche im Rheinland unterstützten Initiativen, dass sie unsere Kirche verändern, Prozesse anstoßen, in denen Bewährtes um Neues ergänzt wird. Eine veränderungsbereite Kirche muss dabei konstruktiv mit Bedenken umgehen. Aber sie muss vor allem Ideen eine Chance geben. Unser Ziel ist es, auf neuen Wegen Menschen zu erreichen, die sich in unseren Angeboten bisher nicht beheimatet fühlen“, sagt der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Wie geht es weiter?

Während sich die ersten zehn Erprobungsräume nun auf den Weg machen, dürfen sich andere von deren Experimentierfreude inspirieren lassen. Am Reformationstag, 31. Oktober 2020, beginnt die zweite Bewerbungsphase. Für alle, die Experimente wagen und Ideen entwickeln, wie neben dem Vertrauten noch Ungewohntes erprobt werden kann, steht Projektleiterin Rebecca John Klug begleitend und vernetzend zur Verfügung. Zudem hat die rheinische Kirche eine Kooperation mit der CVJM-Hochschule in Kassel aufgenommen und ein Stipendium für fünf Plätze in der Pionierweiterbildung aufgelegt. Über 18 Monate werden Pionierpersönlichkeiten begleitet und befähigt, Kirche und Mission in der Gesellschaft neu zu denken und missionale, innovative Formen des Kircheseins zu entwickeln sowie Transformationsprozesse zu gestalten.

  • 17.6.2020
  • Maren Kockskämper
  • Red