Situation in Alten- und Pflegeheimen: Weihnachtsbesuche mit Augenmaß

Appell evangelischer Kirchen und ihrer Diakonie in NRW

Düsseldorf/Bielefeld. Angesichts der weiterhin hohen Infektionszahlen in der Corona-Pandemie appellieren die beiden großen evangelischen Kirchen in Nordrhein-Westfalen gemeinsam an die Landesregierung, die Bedingungen für Besuche in Alten- und Pflegeheimen stärker an die Möglichkeiten vor Ort anzupassen.

„Gemeinsam mit unserer Diakonie begrüßen wir es ausdrücklich, dass die Heime für Besuch offenbleiben sollen“, betont Vizepräses Christoph Pistorius (Evangelische Kirche im Rheinland): „Gerade zu Weihnachten ist der Kontakt der Bewohnerinnen und Bewohner unserer Einrichtungen zu ihren Familien wichtig. Doch jeder Besuch stellt immer auch ein Infektionsrisiko für andere Bewohner, das Personal und die eigenen Angehörigen dar und sollte deshalb maßvoll und zurückhaltend erfolgen. Zugleich muss die ohnehin extreme Belastung der Mitarbeitenden in den Pflegeeinrichtungen stärkere Berücksichtigung finden.“

Zwei Besuche pro Tag durch maximal zwei Personen

Nach den bisherigen Verordnungen dürfen die Bewohnerinnen und Bewohner der etwa 2300 Alten- und Pflegeheime in NRW pro Tag zwei Besuche durch jeweils maximal zwei Personen erhalten. Die Angehörigen haben Anspruch auf mindestens eine Stunde Besuchszeit, nachdem ein „Kurzscreening“ mit Fiebermessung durchgeführt wurde. Sie müssen FFP2-Masken tragen und einen Mindestabstand von 1,5 Metern einhalten.

Organisation ist eine enorme Herausforderung für das Personal

„All das sind sinnvolle Maßnahmen, aber wir befürchten, dass sie in der derzeitigen dramatischen Situation nicht ausreichen, um die alten und kranken Menschen zu schützen“, sagt Vizepräsident Ulf Schlüter (Evangelische Kirche von Westfalen): „Darüber hinaus stellt der hohe organisatorische Aufwand in der stark angespannten Personalsituation vor Ort eine enorme Herausforderung dar. Die Alten- und Pflegeheime brauchen mehr Freiheit, selbst über die Anzahl der Besuche zu entscheiden.“

Besuche gut mit Einrichtungen abstimmen

Gemeinsam mit dem Diakonischen Werk Rheinland-Westfalen-Lippe (Diakonie RWL) wenden sich die Kirchenvertreter auch mit der Bitte an die Angehörigen, ihre Besuche gut abzuwägen. „Halten Sie bei der Planung Ihrer Weihnachtsbesuche enge Rücksprache mit den Einrichtungen“, ergänzt Diakonie RWL-Vorstand Thomas Oelkers: „Unsere Pflegekräfte sind schon jetzt am Ende ihrer Kraft, denn zusätzlich zur täglichen Pflege lenken, testen und begleiten sie die Besucherströme.“

Niemand wird alleingelassen

In vielen diakonischen Senioren- und Pflegeheimen ermöglichten die Mitarbeitenden Kontakte über digitale Medien und sorgten mit viel Engagement und Kreativität dafür, dass das Feiern des Weihnachtsfestes trotz allem stattfinde, betont Diakonie RWL-Vorstand Oelkers. „Es gibt Feiern in den Wohneinheiten, Andachten durch Seelsorger und Brief- und Geschenkaktionen. Niemand wird alleingelassen.“

  • 23.12.2020
  • Jens Peter Iven
  • Red